2020 – Weltreise Teil 5 – Estland

Gefühlt illegal sind wir nach Estland eingereist. Wir hatten auf der Karte einen Strand gesehen und da führte nur so eine winzige Straße hin, welche aus Lettland kam und dann nach Estland im Norden weiterführte. Die nahmen wir. Wir merkten nur, dass wir in Estland sind, da es ein kleines Schild gab, welches drauf hinwies.

Unser ausgewählter Ort am Meer entpuppte sich als traumhaftes Rifugium, welches wir offroad erreichten.

Außer uns war hier noch eine Dreiercrew Russen (Opa, Vater, Enkel) und der Opa kam gleich angerannt, als wir noch nicht einmal ausgestiegen waren. Seine lauten Ausrufe „Auto guuuud!!!“ ließen uns lachen und die Verständigung war auch gleich geklärt. Er bot direkt Vodka an, wir hatten jedoch ewig nichts gegessen und einen Mordskohldampf. „Dawei! Dawei!“, rief uns der russische Opa mit den leuchtenden Augen zu. Also… schnell essen. Im Hinterkopf bohrte die Einladung des Russen. Es wäre unfreundlich, ihn nicht zu besuchen ;-). Also schnell Google-Übersetzer „Russisch“ heruntergeladen und hin da. Mit vollem Stolz wurde sein „son“ und „sonson“ (Sohn und Enkelsohn 😉) vorgestellt. Es war ein tolles Gespräch aus Deutsch, Englisch und Russisch. Sehr informativ über sein Leben, die aktuelle Corona-Situation in Russland und natürlich Trucks (er war mal LKW-Fahrer…). Glücklicherweise blieb es bei einem Wasserglas Vodka pro Nase.

Unsere zweite wesentliche Station in Estland war Pärnu, die größte und im Sommer touristischste Stadt Estlands. Jetzt Ende August waren die Touristen abgezogen, die Stadt wirkte jedoch wunderbar, ruhig und modern. Es gibt tolle Cafés (besonders mit solcher Aussicht, siehe Bild), Parks und typisch estnische Gebäude.

Da wir hier über Nacht bleiben, machen wir die Stadt auch im Dunkeln unsicher. Es ist toll: alles ist wunderschön beleuchtet und wir finden einen Pier im Hafen, an dem man entlang der Schiffe bis raus ins Meer laufen kann. Eine schöne Szenerie bei milder Luft.

Die nächste Station auf unserer Estlandtour wird die Insel Saaremaa (ca. 100km Durchmesser), welche nur per Fähre erreicht werden kann. Wir fahren in den Hafen und freuen uns, dass hier so wenig los ist. Also eigentlich ist hier niemand. Am Ticketschalter kaufen wir ein Ticket und die nette Dame triebt uns zur Eile: In einer Minute fährt das Schiff und wir müssen ja noch hinfahren! Deshalb also ist hier niemand mehr… Wir geben Gas und fahren als letzte aufs Schiff, hinter uns geht die Klappe zu und wir legen ab, als noch nicht mal unsere Türen offen sind. Das ist Just-in-Time!

Die Insel selbst wurde uns in höchsten Tönen gepriesen. Wir sind gespannt und fahren und fahren, aber es ändert sich nichts. Entweder Wald oder Meer. In der Stadt Kuressaare bleiben wir aber doch hängen. Es gibt mittelalterliche Burganlagen, wir machen einige Besorgungen und hier gefällt es uns echt gut. Aber wir wollen tiefer hinein, in die Insel. Dafür laden wir die Crossmaschine ab und Sarah fetzt los. Es geht über tolle Pisten, am Meer entlang und in einen wunderschönen Nationalpark. Wir treffen andere Motocrosser und kurz darauf wissen wir warum: Als wir den Crossspuren folgen, finden wir uns direkt auf einer schwierigen Offroadstrecke hin zu einem Leuchtturm wieder. Es wechseln sich Schlamm, tiefer Treibsand und Schotter. Sarah ist nicht aufzuhalten und treibt die Maschine durch die Schlammlöcher und Sandfelder. Bis wir steckenbleiben. Aber mit Anschieben und Vollgas gehts raus! Wir jubeln und brausen weiter. Am Ende des Tages stehen 85 Offroadkilometer auf unserem Tacho.

Wir genießen die Tage am Meer trotz immer wieder kehrender Regenschauer. Die Wanderwege die immer weiter durchs Meer, von Insel zu Insel gehen und nur gelegentlich ein Floß zur Überquerung zur Hilfe steht, reizen uns. Kurz überlegen wir sogar das Zelt auszupacken und eine Mehrtageswanderung zu unternehmen. Das Nass von oben schreckt uns allerdings dann doch noch mehr als das Nass von unten ab und wir bleiben also erst mal beim Luxuscampen.

Trotzdem beschließen wir, die Insel zu verlassen. So schön idylisch und ruhig es hier auch ist. Uns kann die Insel nicht hier halten (zumindest nicht bis 7 Tage später die Rally Saaremaa ist, was sicherlich ein Highlight wäre).

Wir schlagen Kurs Richtung Tallin ein. Auf dem Weg liegt ein Lost Village in einem glasklaren See, welcher aus einem Tagebau hervorgegangen ist. Ein Platz am Wasser ist schnell gefunden und erneut traumhaft gelegen.

Gleich am folgenden Tag erkunden wir das lost village. Auf alten Trampelpfaden, durch Schlamm und Vegetation gelangen wir in den Hinterhof eines verlassenen Gefängnisses und können einen alten Wachturm besteigen.

Auf dem Weg aus dem Gefängnis heraus begegnen wir einem Mann, der uns fragt, woher wir kämen. Treudoof antworten wir wie immer „Germany“, er meint aber natürlich, woher wir HIER kämen und erzählt uns, dass wir uns jetzt auf dem privaten Museumsgelände befinden, welches Eintritt kostet. Das Eingangstor nebst Kasse befindet sich auf der abgewandten Seite und so holen wir uns zwei Tickets und schauen auch noch die Museumsgebäude an. Hier ists auch megaschön, auch wenn unser Einbruchsversuch ins Gefängnis (wer bricht eigentlich in ein Gefängnis ein?) spektakulärer war.

Eigentlich würden wir hier gerne länger bleiben. Christian war unzählige Male in dem See baden und tauchen, denn das Wasser ist zwar genauso klar, aber nicht so kalt wie ein Bergsee.

Aber wir fahren nach Tallin, weil wir unsere Wäsche waschen müssen. Wir haben auf dem Campus der technischen Universität einen Waschsalon ausfindig gemacht. Macht aber erst studentengerecht um 11 Uhr auf. Wir finden nahe des Campusgeländes einen kostenlosen Parkplatz am Straßenrand, werfen schnell 3 Maschinen an, inspizieren schonmal die kostenlosen Trockenschränke und sind gespannt, wie das dann funktioniert. Jedenfalls sollte es besser funktionieren als 15 kg Wäsche im Steyr bei feuchtem Wetter aufzuhängen.

Die Wartezeit nutzen wir damit, uns mal eine estnische Uni anzusehen. Wir testen die Mensa aus, was uns wieder einen schönen Einblick vor Ort ermöglicht, laufen die normalen Studentenwege ab und fühlen uns in unseren normalen Klamotten etwas underdressed. Übrigens ist wie häufig in Estland auch die die Mensa mit Terminals ausgestattet, an denen man mit Karte seinen Einkauf bezahlt. Also einfach aus den Schränken und Töpfen sein Tablett nach belieben vollladen, am Terminal eingeben/scannen und Karte ran halten. Natürlich gibt es wie fast immer eine freundliche und aufmerksame Servicekraft, die bei Bedarf unterstützt. Wir sind mal wieder begeistert von der Technik, wie einfach und selbsterklärend (trotz fremder Sprache) alles zu bedienen ist und vor allem vom Vertrauen in die Bediener (gelegentlich sind Kameras im Thekenbereich). Zwischendurch suchen wir immer wieder den Waschsalon auf und wenden unsere trocknende Wäsche und nach 4 h ist wieder alles sauber und trocken im Steyr verladen. Weiter gehts zum Großeinkauf. Auch erledigt! Danach soll es Richtung Altstadt gehen.

Hier wollen wir mitten ins Künstler- und Startup-Viertel Telliskivi und dort übernachten. Wir müssen die niedrigen Eisenbahnbrücken etwas umfahren, aber schnell ist ein Platz gefunden, sodass wir die Gebäude, Streetart und Cafés bewundern können und abschließend in einer coolen Bar landen. Es ist sehr ruhig unter der Woche, Urlaubssaison vorbei und Coronazeit. Das kommt uns hier sehr entgegen. Wir haben Tallin vor 2 Jahren schon anders erlebt. In der Bar sind ausschließlich Einheimische, inklusive sehr nettem Barkeeper und wir können die Zeit dort (ohne Probleme reichlich Abstand zu halten) bei einem wirklich feinen Getränk genießen.

Den Morgen vor der Fährüberfahrt nach Helsinki nutzen wir noch für einen kurzen Ausflug in die menschenlehre Altstadt. Im Anschluss besuchen wir noch den Balti Jaama Turg (besondere Markthalle) und laden noch mit Kaffee, Zimtschnecken und einem Chatschapuri adscharuli (georgisches Käsebrotschiff mit Spiegelei) unsere Energie und Erinnerungen auf. Einfach traumhaft! Und wir machen uns auf zur Fähre. Finnland hat uns gerufen!

Estland ist Wahnsinn! Unsere Erinnerungen an Superlativen wurden diesmal sogar noch übertroffen. Die Mischung aus der großen Naturverbundenheit, von der es auch wirklich sehr viel gibt, und der modern digitalisierten Gesellschaft zieht uns einfach magisch An. Sollte es wirklich mal eine Liste unserer Lieblingsländer geben, hat Estland definitiv einen Platz sehr weit oben. 

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