2020 – Weltreise Teil 6 – Finnland

Mit der Fähre erreichen wir nach 3,5 h Stunden Helsinki. Wir entscheiden uns für die längere, aber günstigere Verbindung zwischen Estland und Finnland. Wir können nach den überwältigenden letzten Tagen durchaus eine kleine Auszeit auf dem Schiff gebrauchen. Angenehm leer können sogar die Rentner bei Livemusik mit mehr als 2 m Abstand das Tanzbein in der Showbar schwingen. An Deck lässt es sich bei Sonnenschein trotz kühler Temperaturen zeitweise wirklich gut aushalten und so vergeht die Zeit schneller als erwartet und wir fahren am Schärenmeer vorbei in den Hafen von Helsinki. Ein paar Minuten später haben wir uns schon in einem kleinen Kiosk unser neues Internet besorgt und wir sind bereit das nächste Land unlimited zu bereisen. Aus einem kurzen Stopp im uns bekannten Cafe`s eines Iraners wird leider nichts, weil obwohl wirklich verhältnismäßig wenig in der Altstadt los ist, wir auf die Schnelle einfach keinen geeigneten und günstigen Parkplatz finden. Auf langes Suchen haben wir keine Lust und ziehen weiter Erholung vor. Also etwas raus aus dem Feierabendstadtverkehr und in die Natur.  

Unser erstes Plätzchen in Finnland ist traumhaft gelegen an einem See. Wir genießen die Ruhe, machen Sport auf den Trails rund um den See und entdecken die Natur.

Unsere Weiterreise ist zunächst geprägt von dem, was man überhaupt nicht mit der Reise verbindet: deutsche Bürokratie. Wir müssen diverse Sachen schriftlich erledigen (bzw. hinterher verschicken) und entscheiden uns schließlich einen Multifunktionsdrucker zu kaufen. Eigentlich hatten wir uns vor der Abreise dagegen entschieden, in Polen haben wir schon gehadert, einen zu kaufen, da es uns den Ausdruck der Coronaformulare erleichtert hätte, aber jetzt ists wirklich Zeit! Wir müssen erstmal rausfinden, wie die Elektromärkte hier heißen. Es gibt nicht, was wie Mediamarkt oder Mediaexpert klingt, die Google-Suche nach Elektromarkt wirft auch nichts Befriedigendes aus, doch wir finden etwas. Die Entscheidung ist schnell gefallen und hinterher finden wir nach einem Check unserer neuen Errungenschaft auf Amazon heraus, dass wir ein super Schnäppchen gemacht haben… Perfekt! Unser rollendes Haus hat nun also auch noch ein gut ausgestattetes Büro.

Aufgrund der anstrengenden Besorgungen und der ungewohnten Büroarbeit, entscheiden wir uns gegen die sofortige Weiterreise und bleiben auf einem ruhigen Parkplatz direkt neben dem Stadtpark, idyllisch am See gelegen… bis gegen 22:00 Uhr die örtliche Tuning- und Driftszene anrollt und Drifts/Burnouts hinlegt bis die Reifen qualmen. Eigentlich spannend, aber da es regnet hat Christian keine Lust auf einen kulturellen Austausch.

Wir brauchen Natur. Und außerdem suchen wir etwas zum Klettern. Und Tiere! Ein paar Felsen zum Klettern sind schnell gefunden, allerdings weit und breit keine Möglichkeit, ein Auto abzustellen, da wir uns auf einer kleinen Verbindungspiste mitten im Wald befinden. Da das Wetter nicht soooo geil ist, fahren wir weiter und suchen auf der Karte nach einem neuen Wohnort: Offroad kommen wir dort hin, Menschen gibt’s hier seit langem nicht und so hoffen wir auf tolle Tierbegegnungen. Der Platz ist zwar wirklich toll, aber ein Tier kommt nicht vorbei. Schade! Wir verbringen ein paar weitere erholsame Tage am Rande eines Nationalparks. Der Platz ist sehr schön, verfügt zu unserer großen Freude über ein großes Tippi und sehr sehr viel wunderbar trockenes Holz und bietet uns einen guten Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen durch die nahe gelegene Moorlandschaft in der wir zumindest ein paar wilde Hühner entdecken können.

Nach ein paar Tagen wollen wir wieder weiter, weiter in ins Landesinnere aber immer Richtung Nordkap und natürlich noch beim Weihnachtsmann vorbeischauen. Wir planen also ein bisschen die nächsten Tage, um im Anschluss bei einem feinen Krimi den Abend ausklingen zu lassen. Es regnet nämlich mal wieder. Gerade sind wir total im Krimifieber als plötzlich der komplette Strom weg ist. Als hätte jemand die Leitung gekappt. Toll. Auf den ersten Blick geht nichts mehr. Wir überlegen kurz was das jetzt bitte war.  Da wir wissen, dass einer der Vorbesitzer unseres Hauses, aus für uns unerklärlichen Gründen, 2 Kabel außerhalb verlegt hat, kommt uns der Gedanke ob nicht ein Marder o. Ä. gerade etwas zu viel Appetit verspürt hat. Christian schaut noch kurz raus unter die Kabine. Doch da es schon dunkel ist, und wie gesagt regnet, holen wir kurz unsere batteriebetriebene Notbeleuchtung raus, kappen mittels Hauptschalter die komplette Stromversorgung und können erst mal ruhig und sicher eine Nacht darüber schlafen. Mit der Hoffnung sollte es ein Mardertier gewesen sein, dass es nicht noch an unserem Fahrzeug Gefallen gefunden hat. Christian durchdenkt natürlich trotzdem die ganze Nacht die Elektrik, in der wir uns zwar schon wirklich gut auskennen, aber das ein oder andere Rätsel ist noch nicht gelöst. Sobald es hell wird, gibts für Sarah noch einen schnellen Kaffee während Christian schon unterm Auto rumkriecht, um den vermuteten und einfachsten Lösungsansatz, Marderbiss, auszuschließen. Der Kabelschacht mit den beiden Kabeln ist unversehrt. Wir machen uns also einen Plan wie wir das Problem jetzt weiter angehen. Schritt für Schritt arbeiten wir uns durch, räumen hin und her, bauen auseinander und wieder zusammen, kreisen das Problem durch diverse Tests immer weiter ein bis wir wieder bei den Kabeln außerhalb der Kabine landen. Eins davon muss defekt sein. Kurzerhand kappt Christian eins der Kabel und ersetzt es durch ein Provisorium. Und siehe da, es funktioniert hervorragend! Wir sind beide überrascht, hatten wir zwischenzeitlich daran gezweifelt, dass wir das allein hinbekommen. Dann freuen wir uns aber und verbauen das Provisorium witterungsfest, womit es wahrscheinlich viele Jahre überlebt und sind nochmal so lang beschäftigt wieder Ordnung ins Haus zu bringen. Gefühlt wurde jeder Schrank einmal zerlegt, um an die fein säuberlich versteckten Kabel zu kommen. Jetzt kennen wir uns wirklich fast perfekt mit unserer Elektrik aus! Und noch dazu wissen wir, dass wir doch nen ganz ordentlichen Hausrat dabei haben… haben aber auch die Chance genutzt die Wintersachen aus dem Keller zu holen, Sommersachen einzupacken und einen Tag Intervallfasten zu machen.

Dann wärmen wir uns erst mal auf, es ist kalt und regnet noch immer und dann kann es weiter gehen!

Durch endlose Wälder, zu tollen Seen und durch unglaubliche Lichtstimmungen. Zwischendurch rein in die Zivilisation, in riesige Einkaufszentren und zu Motonet, das Paradies für Männer. Motonet ist kein Baumarkt, es ist kein Markt für Automobilzubehör. Es ist ein Markt der wirklich alles, was das Männerherz oder auch Frauenherz höherschlagen lässt, vereint.  Es wird immer kälter. Wir kommen nach Lappland. Schon stehen die ersten Rentiere auf der Straße. Riesige Zusatzscheinwerfer und große Rammbügel werden Standard an allen Fahrzeugen. Rentiere dann auch. Die sich leider aber als nicht besonders fotoaffin erweisen. Schon auf der Ersten kleinen Wanderung durch ein weiteres Moorgebiet werden wir von einem sehr großen Renhirsch mit sehr großem Geweih überrascht. Wir können die Situation noch nicht richtig einschätzen und Sarah würde am liebsten blitzschnell zum Auto zurückflitzen. Die Situation entspannt sich aber schnell und wir gewöhnen uns an die Tiere. Wir gewöhnen uns auch daran auf unseren zahlreichen Wanderungen eine Feuerstelle zu finden, um eine kleine Pause mit Würstel und Brot am wärmenden Feuer einzulegen. Als wir aber auf einer unserer letzten Wanderungen in Finnland eine Schutzhütte entdecken, in der sich sogar eine voll eingerichtete Küche mit Gasherd und Holzofen befindet, sind wir wirklich baff.

Gefühlt ist über Nacht der Herbst eingezogen. Ja wir fahren ihm halt auch entgegen. Plötzlich sind die Blaubeersträucher rot und die die Laubbäume komplett gelb. Und dann sind wir beim Weihnachtsmann, im Weihnachtsmanndorf bei Rovaniemi direkt auf dem nördlichen Polarkreis. Tausende Kinder aus aller Welt schicken jedes Jahr ihre zahlreichen Weihnachtswünsche hier her. Sicher leiten seine Elfen die Wünsche ans Christkind auch zuverlässig weiter.

Wir erkunden das Dorf, was im Winter sicher eine Traumkulisse bietet und man einen unglaublichen Winterurlaub verbringen kann. Aber jetzt erinnert es uns auch schon so an regnerisches Weihnachten in Deutschland, dass wir spontan einfach schon mal Weihnachten vorfeiern, mit selbst gekochtem Glühwein und Weihnachtsmusik. Und freuen uns schon aufs Weihnachten mit unseren Lieben! Natürlich besuchen wir noch den Weihnachtsmann. Wir haben ein schönes Gespräch mit ihm und er gibt uns gute Empfehlungen für die Polarlichterjagt, so dass ich davon absehen kann, dass er mir ein Video für 80 €, oder ein Foto für 40 €, mit ihm angeboten hat. Hats halt auch nicht leicht in Zeiten von Corona.  Ein schöner Stopp auf unserer Reise. Und blenden wir mal den ganzen Weihnachtsglitzer aus, ist da schon auch wirklich viel Kommerz und auch ein Weihnachtsmanndouble… Wer von beiden wohl der richtige Weihnachtsmann ist?

Endlich soll das Wetter wieder etwas besser werden. Immerhin 7 Grad und Sonnenschein. Wir haben kurz oberhalb des Polarkreises ein Klettergebiet auf der Karte entdeckt. Also schnell da hin! Die Beschilderung ist gut und wir finden die Felsen und auch den dazugehörigen Parkplatz mit Feuerstelle im Nirgendwo. Immer wieder kommen Wanderer den Weg entlang, einige finnische Kletterer hängen den ganzen Tag in den Routen und insgesamt ist reges Treiben in diesem beindruckenden Gebiet, was geografisch schon zur Arktis gehört. Den nächsten Tag verbringen wir auch am Fels, Christian bezwingt ein paar wunderschöne und technisch anspruchsvolle Routen und Sarah hat ein gutes Oberarm- und Rückentraining. In der Mittagspause wärmen wir uns am Lagerfeuer auf, sammeln Beeren zum Nachtisch und bleiben bis zum Abend am Berg. 

Die Abreise am nächsten Morgen gestaltet sich dann etwas schwieriger als erwartet. Wir hatten nicht gesehen, dass die Zufahrt mit einer Schranke versehen war. Die war jetzt zu. Nicht so zu, dass man sie nicht hätte mit einem Werkzeug und ein wenig Gewalt öffnen hätte können, aber zu. Einen anderen Weg, ohne extreme Offroadmerkmale verbunden mit Baumfällaktionen, gibt es nicht. Wir entscheiden uns dafür, erst mal nichts zu zerstören und für den vielleicht einfachsten Weg. In der Nähe sind Häuser an denen wir auch jemanden antreffen, kurz erklären wir das Problem und schon braust der nette Herr mit dem Auto davon um den Schlüssel zu holen. Wir holen derweil schon mal eine Flasche Wein, als Dankeschön, aus unserem Keller und kurz darauf sind wir wieder frei. Wir erkunden weiter Lappland, tauchen nochmal richtig tief in die raue finnische Natur ein und genießen es. Ernten ein paar wertvolle Begegnungen mit Finnen, haben tolle Gespräche und sind beeindruckt, dass bei unter 10 Grad Tagestemperatur, und Minusgraden nachts, immer noch selbstverständlich gezeltet wird.

Langsam verabschieden wir uns von Finnland. Corona hat es auch hier nicht so einfach gemacht, die Menschen kennen zu lernen auch haben wir keine anderen Touristen, bis auf ein einziges deutsches Wohnmobil in Rovaniemi, gesehen. Die Finnen haben aber auch selbst Genug an Wohnmobilen und wir wurden immer nett empfangen und die wenigen Gespräche waren Gold wert. Die Freundlichkeit und Offenheit haben uns überwältigt.

Kurz gesagt war die Reise durch Finnland ziemlich still, rau und intensiv!

Bis bald!

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