2020 – Weltreise Teil 7 – Norwegen

Ein bisschen aufgeregt ist Sarah doch vor der Einreise nach Norwegen.

Laut ihren Recherchen sollte es kein Problem sein von Finnland nach Norwegen einzureisen. Wir fallen nicht in die Quarantänepflicht und Kartoffeln oder größere Mengen an Alkohol, Milch- und Fleischprodukten haben wir auch nicht dabei. Auch die erlaubte Menge an Zimmerpflanzen überschreiten wir nicht. Die Sache mit der Dieselmenge unterliegt der Regelflexibilität. Die Fahrbahn von Finnland nach Norwegen ist frei, Ampel grün, keine Grenzkontrolle, kein Zoll. Auf der Gegenseite wird geduldig an der Barriere gewartet. Wir kommen dann doch noch an einem gut gestimmten Zöllner vorbei, der in seinem warmen Auto Zeitung liest. Und dann begrüßt uns Norwegen auf eine filmreif. Rechts und links erscheinen große Berge, die ersten Gipfel sind schneebedeckt, kleine Wasserfälle fließen herunter, am Fuße die bekannten roten Blaubeersträucher und Bäume in allen Farben. Draußen stürmt und regnet es aber auch die Sonne leuchtet. Ein riesiger Regenbogen führt wie ein Tor über unsere Fahrbahn. Gleichzeitig quert eine große Rentierherde die Straße, begleitet vom Klingeln der Glocken, die einige Tiere tragen. Wir sind verwirrt. Wir bleiben einfach stehen. So haben wir uns das nicht vorgestellt. Wir genießen den Moment, können es irgendwie gar nicht fassen. Wir versuchen dann noch den Moment mit der Kamera festzuhalten, was uns nicht gelingt.

Wenige Minuten und Meter später sieht alles wieder ganz anders aus. Das Wetter zeigt sich wieder von seiner harten Seite. Bei mächtigem Wind und peitschendem Regen fahren wir durch die Berge hinab Richtung Meer. Immer wieder tauchen irgendwo in der Ferne kurz Regenbogen auf. Wir tun uns etwas schwer mit unserem ersten Standplatz in Norwegen. Es gibt nicht viele Seitenstraßen. Wir finden dann doch einen Parkplatz neben der Hauptstraße gegenüber einem Fjord. Zum Übernachten ok. Später ist der ganze Parkplatz dann mit norwegischen Wohnmobilen und uns belegt. Wie mag das wohl in der Hauptsaison sein und v. A. wenn auch viele ausländische Touristen das Land bereisen? Auch die zahlreichen Campingplätze scheinen auf den ersten Blick recht gefüllt zu sein. Auch in Finnland sind uns schon die vielen Wohnmobile aufgefallen. Alles finnische Wohnmobile, die durchs Land gereist sind, es war aber immer so viel Platz, dass sich einen Parkplatz teilen oder gar Kuschelcampen nie ein Thema war. Wir sind gespannt was aus unserem ersten Eindruck von Norwegen wird!

Am nächsten Tag zieht es uns weiter. An einem anderen Parkplatz, auch gefüllt mit Wohnmobilen, gibt es eine Servicestation. Wir quetschen uns noch dazwischen und füllen unser Trinkwasser auf und lassen unser Abwasser da. Schnell nen Apfel gesnackt und weg! Wir fahren noch weiter durch eine wirklich schöne Natur. Aber ehrlich gesagt setzt uns das Wetter ein bisschen zu. Zu dem Satz: „Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung.“, bitte ich denjenigen der das behauptet mir zu zeigen, welche Kleidung das ist, die wir jetzt bräuchten, um es außerhalb des Autos gut aushalten zu können. Und sollte ich das selbst einmal gesagt haben, ist das revidiert. Vielleicht härtets ja ab. Wir machen das Beste draus!

Vor uns liegen ca. 3000km Strecke durch Norwegen, immer entlang einer gedachten Linie vom Nordkap bis Kristiansand. Unsere Planung für unsere sehr spontane Variante unserer Reise ist ziemlich provisorisch und lückenhaft. Aber unsere Provisorien sind ja eigentlich bisher immer ganz gut geworden 😊. Also was wir vorher nicht wussten: In den nördlichen zwei Dritteln Norwegen gibt es prinzipiell nur eine Hauptstraße, die von Nord nach Süd führt. Es gibt kaum bis gar keine Variationen, sodass die Streckenwahl einfach fällt. Zweite Unbekannte: Die Straße ist nicht durchgehend. Um wieder aus der Arktis in gemäßigte Gefilde zu kommen, müssen wir mehrmals die Fähre nehmen. Dies erweist sich jedoch als extrem einfach, da auch im hinterletzten Winkel die Fähren alle 30min bis stündlich fahren und halbwegs bezahlbar sind. Außer einer besonderen Fähre, welche wir per Handy bezahlen konnten, werden alle anderen automatisch in Rechnung gestellt: Man fährt drauf, wird fotografiert und bekommt dann später die Rechnung über das norwegische Mautsystem. Womit wir bei Unbekannte Nr. 3 wären: In Norwegen gibt es im ganzen Land verteilt Mautabschnitte. Wir fanden heraus, dass eine neu gebaute Straße so lange bemautet wird, bis sie abbezahlt ist. Eine Kamera filmt das Fahrzeug und es wird wieder automatisch in Rechnung gestellt. Wir haben auch vor Einreise die Anmeldung im Mautsystem vorgenommen, um gleich im richtigen Preissegment einkategorisiert zu werden. Preislich ist das Ganze meistens im Rahmen (einstellige Eurobeträge), einmal sind wir jedoch im hinterletzten Winkel des Landes (es gab nur alte einspurige Straßen über hunderte Kilometer dorthin) in ein Brücken-/Tunnelkonstrukt geraten, bei welchem sich der Architekt wirklich ausgelebt hat (der Tunnel war innen bunt beleuchtet, es gab Kreisverkehre und der Tunnel mündete auf eine riesige Hängebrücke… danach gings wieder einspurig auf löchrigem Asphalt weiter). Dieser ganze Spaß schlug mit ca. 40€ zu Buche!

Also zurück zur Route: Der Plan war es, Richtung Süden zu fahren und wir wollten viel Meer, Fjorde und Berge sehen. Das mit dem Fahren klappte, die Landschaft blieb uns weitesgehend durch Nebel und Regen/Schnee verborgen (hab ich schon die Kälte erwähnt?). Glücklicherweise konnten wir aber dem Angeln frönen. In der Erwartung eh nix zu fangen, hatte Christian neben der Angel nix weiter mit zur Klippe genommen. Es gab direkt den ersten Anbiss und Sarah musste das Equipment bringen, während der Fisch aus dem Wasser gezogen wurde. Das Glück musste gleich genutzt werden und zwei weitere Fische durften unseren Kühlschrank füllen. Am Abend erfuhren wir durch unseren Freund Christian aus Garmisch, der uns auch nochmal kurz in die Angelkünste auf Norwegisch instruiert hatte, sogar, was wir gefangen hatten: Seelachs. Ja wir wissen… alles etwas improvisiert… aber… nicht schlecht!

Unsere Weiterreise gestaltete sich spannend. Wir fuhren einen kleinen Umweg über eine Inselkette. Vorher hatten wir die Karte ausgiebig studiert und festgestellt, dass der Fjord mit einer ziemlich langen Brücke überquert wird. An dieser Stelle angekommen kamen uns erste Zweifel, als dort keine Brücke zu sehen war und unsere Straße sich als eine Art Schnecke immer tiefer schraubte. Anschließend ging es in einen uralten, unbeleuchteten Tunnel, an dessen Eingang irgendwas mit Gas stand. Und der Tunnel war mörderisch steil, und zwar nach unten. Wir fuhren und fuhren, es ging tiefer und tiefer, stockdunkel und um uns herum die zerbohrten Felswände. Plötzlich roch es nach Gas und wir erschraken kurz, ob eventuell unsere Gasanlage ein Leck hätte. Dann kam uns jedoch das Schild am Eingang in den Sinn. Mittlerweile waren wir am tiefsten Punkt, es stank immer noch nach Gas, war dunkel und im Licht unserer Scheinwerfer nahmen wir eine Art Nebel wahr. Uns wurde bewusst, dass wir nun direkt UNTER dem Fjord sein mussten, hinter uns kilometerweit dieser gruslige Tunnel und vor uns wahrscheinlich auch. Es ging wieder aufwärts! Genauso steil, wie es runter ging. Über Kilometer konnten wir nur Vollgas im niedrigen Gang fahren. Und nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir raus. Wir lachten uns an. Das hatten wir nicht erwartet…

Die Tunnel in Norwegen boten uns überhaupt eine Menge Überraschungen. Im oben genannten fragten wir uns kurz: „Geht es hier zur Hölle?“. Nein, es ging einfach unter dem Fjord durch. Norwegen hat für Tunnelliebhaber richtig was zu bieten! Jeder Tunnel einzigartig. Nicht nur das Thema mit dem Licht, dem Gas, der Breite und der Höhe… nein… manchmal fährt man, wie bereits angesprochen, durch einen riesigen Diskotunnel, oder auch gefühlt in den Himmel, man wird gelegentlich vor kreuzenden Skifahrern gewarnt oder befindet sich in einer Art Tunnelspirale. Die vielen Tunnel müssen auch gepflegt und ausgebaut werden, so kam es immer wieder dazu, dass wir an einer der ebenfalls unzähligen Tunnelbaustellen warten mussten. Mal mit Wartezeiten, in denen man problemlos ein mehrgängiges Menü zubereiten kann, mal mitten durch die Arbeiten eskortiert, mal über winzige alte Straßen vorbeigeleitet. Jedenfalls immer ein bisschen spannend und einfach viele Tunnel.

Unsere nächste Station ist Harstadt. Hier sehen wir mal wieder unbenutzte Kreuzfahrtschiffe rumliegen. Diesmal sind es die berühmten Hurtigruten Schiffe. Die Stadt ist genauso leer wie die Schiffe, aber ganz hübsch. Wir spazieren herum, hinauf (auf den Berg) und schauen ein paar Läden an.

Aber es ist ungemütlich und wir fahren weiter. Urplötzlich kommen wir dabei in einen Sturm, der es in sich hat: Beim Passieren einer Hängebrücke fährt im Schneckentempo ein Sattelzug vor uns. Dabei muss der Fahrer auf der Gegenspur fahren, damit sein Trailer auf der normalen Fahrspur bleibt, so sehr drückt der Wind von der Seite. Wir bleiben auf allen vier Rädern und sind froh, als wir nach einer gefühlten Ewigkeit wieder auf dem Land sind. Genauso stürmisch ist dann übrigens auch die Nacht, seekrank sind wir in unserem wankenden Steyr allerdings nicht geworden. Die nächsten Tage sind weiter geprägt von Sturmböen bis 100 km/h und unserer Überzeugung uns doch noch an das raue Wetter zu gewöhnen und die passende Kleidung für dieses Unterfangen zu finden. Wir beobachten diese Naturgewalten entspannt aus unserer wankenden Burg, vermeiden es die Fenster zu öffnen und schauen zu, wie sich Schafe unter allem Erdenklichen Schutz suchen und der Sturm und das Meer alles holt, was nicht niet- und nagelfest ist. Beliebt sind Mülltonnen und Schubkarren, die mal schnell im Meer verschwinden, um bei einem neu bestimmten Besitzer wieder mit voller Wucht im Vorgarten zu landen.  Dabei stellen wir aber bald fest, dass auch die Norweger bei diesem Wetter nur wenn der Hund raus muss kurz das Haus verlassen. Und der Hund beschließt dann: „Er muss eigentlich gar nicht raus!“. Der Gedanke mit der passenden Kleidung wird wieder komplett verworfen.

Wir verbringen mehrere Tage mit Fahren entlang der Fjorde, spazieren, angeln und Fisch essen. Genießen die Anblicke der vielen bunten Holzhäuser mit den kleinen Lichtern in den Fenstern und  die zahlreichen kleinen Bauernhöfe, ihre Schafe und typisch norwegischen Pferde. Und hey: es wird wärmer. Nach genau 4 Wochen haben wir den ersten regenfreien Tag und 10 Grad! Das wird gefeiert! Wir sehen unseren ersten und einzigen Elch in Norwegen. Er liegt frisch erschossen auf dem Hänger eines Jägers und wird gerade verzurrt. Der Arme!

Das Wetter wird sukzessive schöner. Und wir reisen in abgelegene Naturlandschaften, diesmal fernab der Hauptverkehrsroute.

Völlig einsam verbringen wir zwei Nächte an einem tollen Bergsee, um das zu erleben, was wir uns schon so lange wünschen: Polarlichter. Topmodern ausgestattet mit der „Aurora-App“, welche die Wahrscheinlichkeit von Sonnenaktivität mit dem Wetterbericht und dem geografischen Standort paart, warten wir und hoffen. Wir schauen immer wieder aus dem Fenster und bilden uns ein, dass der Himmel irgendwie ein bisschen heller ist. Aber wir sehen keine Polarlichter, obwohl wir genau Richtung Norden schauen. Plötzlich haben wir die Idee, mal in die andere Richtung zu schauen und machen unsere Tür auf und… bekommen beide Gänsehaut! Der Himmel brennt, überall flackert es grün und sogar rötlich. Ein einzigartiges Erlebnis! By the way: Wir hatten nicht auf den Kompass geschaut und dort, wo wir uns Norden einbildeten war Süden…

In der zweiten Nacht war das ganze Schauspiel noch deutlich eindrücklicher und wir sind dankbar, dieses Naturphänomen einmal mit eigenen Augen gesehen zu haben. An diesem zweiten Abend gesellte sich auch ein sehr sympathisches schweizer Aussteigerpaar zu uns, mit welchem wir sehr kurzweilige und interessante Gespräche führten.

Ab Trondheim haben wir dann die Sonne gepachtet. Trondheim zeigt sich als megaschöne Stadt. Wir haben einen Platz direkt am Meer, neben einer Kletterhalle und am Zugang zu einem Naherholungsgebiet aus Wanderwegen bezogen. In die Stadt sind es zu Fuß vielleicht 20min. Perfekt! Wir besichtigen natürlich die berühmten bunten Stelzenhäuser und diese typischen kleinen Gassen im regionalen Baustil. So schön! Und wir joggen von unserem Platz durch das Netz an Wanderwegen, welche tolle Ausblicke am laufenden Band präsentieren und erwerben auf den letzten Metern unsere ersten Vanillje Bolle: süßer Hefeteigboller mit Vanillepudding in der Mitte.

Allgemein mal ein kleiner Exkurs zum Thema Geld und Bezahlen: Wir haben uns vorher überlegt, kein norwegisches Bargeld zu besorgen, um alles kontaktlos zu zahlen. Norwegen war für diese Challenge ein guter Kandidat. Wir haben nicht einmal Bargeld benötigt. Es wird alles per Karte bezahlt, auch die Semmel beim Bäcker und sogar die öffentliche Toilette. Sehr angenehm! Allgemein wird ja oft über das hohe Preisniveau Norwegens berichtet. Wir haben uns nach ausgiebiger Recherche auf Dieselpreise um 1,50€ eingestellt. Oft kostet der Diesel auch so viel. Oft jedoch auch nicht. Wir haben nicht einmal über 1,20€ getankt. Unser Schnäppchen war Diesel für 1,06€ direkt auf dem Polarkreis. Da haben wir direkt knapp 300l mitgenommen. Die Lebensmittel im Supermarkt haben ungefähr unser bayerisches Preisniveau, Milchprodukte kosten ca. das Doppelte des heimischen Preises. Richtig teuer sind Süßigkeiten, süße Getränke und Restaurantbesuche. Hier kostet ein einfaches Gericht meist um 20€. Insgesamt lässt sich also sagen, dass Norwegen nicht so teuer zu bereisen ist, wie gedacht… zumindest wenn man nicht sämtliche Fähren nutzt und einmal komplett durchfährt.

Von Trondheim geht’s in die fjordurchzogenen Berge. Wir schlagen an dessen Fuße unser Lager auf einem Campingplatz auf, um etwas zu regenerieren. Und dieser ist kostenlos! Wie krass…

Optimal gelegen wandern wir in die nächste Stadt (einfache Strecke 7km) und stellen fest, dass es dort nicht so wirklich viel gibt. Und außerdem ist auch hier alles ausgestorben und es rollen gefühlt die Strohballen rum, wie im Westernfilm. Wir entern ein Cafe, um etwas zu chillen. Daraus wird nix: Der Inhaber ist ein ausgewanderter Deutscher, welcher die Chance nutzt, um zu reden. Ein paar Stunden später wissen wir, dass Tom Cruise gerade in der Stadt ist, um einen neuen Mission Impossible zu drehen und die im Hafen liegenden Hurtigrouten Schiffe an die Crew vermietet sind und vor Allem sind wir um ein paar Eindrücke und seine Erfahrung zu Norwegern reicher. Diese Erfahrungen werden wir in den nächsten Wochen versuchen zu eruieren!

Wir fahren zum berühmten Trollstigen. Eine kleine Straße schlängelt sich unglaublich durch steilste Felsen in endlosen Serpentinen den Berg hinauf, vorbei an Wasserfällen und atemberaubenden Ausblicken. Ein Straßenschild warnt vor Trollen. Aber heute sind keine da, genauso wenig wie andere Touristen bzw. Wohnmobile. Das macht die Fahrt über diese spektakuläre Straße dann doch sehr entspannt.

Auf der anderen Seite geht’s genauso steil abwärts, zum berühmten Geirangerfjord. Wahnsinn! Direkt am Ufer bleiben wir. Und unser Fischvorrat muss aufgefüllt werden! Apropos: Der Regen hat uns wieder.

Das schlechte Wetter nutzen wir nebenbei zum Waschen. Sarah hat einen Campingplatz gefunden, der mit 35€ pro Nacht zwar nicht günstig ist, allerdings Waschmaschinen, Trockner und co. inklusive bietet. Das nutzen wir! Und damit ist die regnerische Zeit schneller vorbei als gedacht. Es geht bei tollem Wetter nach Bergen. In der Stadt scheint es eher schlecht zum Übernachten geeignet zu sein, weshalb wir den IKEA ansteuern. Hier ist übernachten sogar erwünscht, sicherlich um dann die Camper am nächsten Morgen in den Laden zu ziehen. Das funktioniert auch 😉. Wir kaufen nicht viel, nutzen aber das Angebot des IKEA-Shuttles in die Stadt. Bergen ist schön, interessant und auch touristenleer.

Nun stehen wir vor der Entscheidung: nach Osten abbiegen, um Oslo zu besuchen und dann nach Schweden zu fahren? Oder noch den kompletten Süden Norwegens „mitnehmen“ und dann Oslo und Schweden? Die Coronalage in Mittel- und Südeuropa scheint sich täglich zu verschlimmern, also fällt uns die Entscheidung nicht schwer, länger im Norden zu bleiben und Norwegen weiter zu bereisen. Wir fahren nach Kristiansand. Und es geht mal wieder eine kleine Straße in steilen Serpentinen den Berg hinauf. Christian kann langsam keine Serpentinen und Pässe mehr sehen. Die letzten 2500km bestanden fast ausschließlich aus Pässen, engen Straßen, engen Tunneln und Serpentinen. Aber oh Wunder: oben angekommen befinden wir uns auf einem Hochtal und die Straße führt schnurgerade auf einer Höhe entlang, durch tolle Landschaft, komplett leer und das ganze über fast 400km. Eine Wohltat 😊.

Kristiansand präsentiert sich ziemlich konträr zu den bisher erlebten norwegischen Städten: Komplett ohne Berge und ziemlich eben, relativ warm, weniger Fischerstadt, sondern eher modern und von Parks übersäht. Wir wohnen direkt am Rand des großen Stadtparks mit seinen tollen Seen und Felsen. Hier gehen wir auch endlich mal wieder klettern. Das Ergebnis ist ernüchternd, was entweder an unserer eingerosteten Kondition oder an der Schwierigkeit der Routen (welche übrigens ausnahmslos nach Krankheiten benannt sind) liegen könnte. Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen…

Nun geht es aber wirklich nach Schweden. Zwangsläufig kommen wir dabei durch Oslo, überlegen jedoch vorher, ob wir wirklich schon wieder eine Stadt anschauen wollen. Wir sagen ja und bereuen nichts. Oslo ist beeindruckend: Riesig groß (fast 1/3 der Norweger leben in Oslo), extrem modern und toll am Oslofjord gelegen. Wir schauen uns die zentrale Festungsanlage an, welche frei zugänglich ist, obwohl Teile davon ein militärisches Anwesen sind. Von hier hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt. Weiter geht’s in das moderne Dienstleistungsviertel (hier wimmelt es von Unternehmensberatungen und IT-Unternehmen) mit seinen Glastürmen, an der tollen Oper aus Marmor vorbei in die Altstadt. Ziemlich nobel wirkt hier alles und auch das Preisniveau bestätigt diesen Eindruck. Wir genießen die Zeit, snacken etwas und kehren zu unserem mobilen Haus, welches oberhalb der Stadt an einem Hang geparkt ist, zurück. Spontan beschließen wir, hier auch die Nacht zu verbringen, um am nächsten Tag die Reise nach Schweden anzutreten.

Zusammenfassend sind wir nach etwas über einem Monat in Norwegen gespalten:

Trotz der wirklich überwältigenden Landschaft wurden wir irgendwie nicht richtig warm mit Norwegen und den Norwegern. Uns fehlte oft die tatsächliche Ruhe, die wir in Finnland erleben durften (obwohl wir mit kaum jemanden gesprochen haben), manchmal hatten wir das Gefühl ganz Norwegen ist ein riesiger Campingplatz oder Ferienort (obwohl wir gefühlt die einzigen Ausländischen Touristen waren) und vom Leben der Norweger haben wir zu wenig mitbekommen. Aber eigentlich wissen wir nicht woran es eigentlich lag. Ob tatsächlich daran, dass es nicht so warm 😉 war oder Corona oder sonst was? Aber, das ist auch nicht wichtig. Wir sind über jeden Tag dankbar, an dem wir erleben dürfen, an dem wir reisen können und Erfahrungen sammeln. Wir sind gespannt auf Morgen!  

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