2020 – Weltreise Teil 8 – Schweden

Es ist früh am Morgen und wir entscheiden nach Schweden einzureisen. Wir wissen, dass uns die Zeit in Schweden nicht für ein richtiges Bereisen reichen wird. Schließlich sind da wichtige Termine in Deutschland, die immer näher rücken. Wir verbringen ein paar schöne Tag im Wald und an schönen Stellplätzen an Seen. Trotz häufigem Regen ist das Wetter gut aushaltbar und wir genießen die Ruhe weit ab der Zivilisation.

Zwischen unseren jetzt eher kurzen Etappen besuchen wir die ein oder andere kleinere oder größere Stadt Schwedens und einen kleinen Elchpark.

Gerade als wir anfangen damit zu hadern, dass unsere Zeit hier so begrenzt sein wird, beschließen wir von der einen auf die andere Sekunde, dass wir Schweden verlassen werden. Es ist ein Bauchgefühl was uns abreisen lässt. Die Zeit ist begrenzt, das Land so groß, das Wetter so mittel und auch die Coronaschlinge zieht sich immer weiter um uns herum zu, die Reise durch Dänemark wäre später wahrscheinlich nur noch als reines Transit möglich und mit einer 14-tägige Quarantäne nach Einreise in Deutschland müssten wir auch rechnen. Wir finden ein günstiges Fährangebot von Schweden nach Deutschland und schon ist die Entscheidung getroffen unseren Deutschlandaufenthalt 2 Wochen nach vorne zu verlegen. Während wir ruhig auf der Ostsee schippern bemerken wir, dass wir uns genau vor 7 Jahren am Flughafen von Rom auf der Rückreise von Äthiopien, befunden haben. Das weckt viele Erinnerungen an unsere erste gemeinsame große Reise, nur mit Rucksäcken und Fahrrädern ausgestattet. Und es erinnert uns auch daran, dass der Reisebericht, den Sarah damals während der Reise auf einen kleinen Block geschrieben hat, mittlerweile schon völlig zerfleddert im Steyr herumschwirrt und immer noch darauf wartet, sortiert und abgetippt zu werden. Naja, die richtige Zeit dafür wird schon noch kommen. Apropos Zeit, sehr häufig werden wir gefragt, was wir eigentlich die ganze Zeit machen auf unserer Reise. Eine Frage, die allen Dauerreisenden sicher sehr oft gestellt wird und eine Frage, die von vielen Dauerreisenden so ad hoc gar nicht beantwortet werden kann. Zumindest nicht so, dass der Interessierte dann wirklich eine Vorstellung hat. Unser Impuls ist immer mit „Wir sind einfach mit Leben beschäftigt“ zu antworten. Nicht wirklich befriedigend… Diese Antwort lässt jedenfalls viel Raum für Interpretation und zwischen den Optionen einfach 24/7 zu chillen oder eine Sehenswürdigkeit nach der anderen abzuarbeiten ist so ziemlich alles drin. Deshalb versuchen wir jetzt mal, diese nicht ganz so einfache Frage etwas genauer zu beantworten.

Hausarbeit: Die Arbeit in und um unser fahrendes Haus herum unterscheidet sich nur in wenigen Dingen vom „Normalen“. Wir machen Ordnung, putzen, kochen, waschen Geschirr und Wäsche. Ordnung halten empfinden wir auf unseren 8 qm Wohnraum als wirklich wichtig. Wir sind stetig dabei für jedes Teilchen den optimalen Platz zu finden, um möglichst gemütlich und gleichzeitig praktisch zu leben. Was den Müll betrifft, hängt das immer vom Land ab, in dem wir uns gerade aufhalten, mal strikte Mülltrennung, mal nicht, mal Müll Spazierenfahren bis Müll entsorgt werden kann, mal nicht Müllhorten. Am besten: So wenig Müll wie möglich machen!

Putzen und Ordnung halten hängt extrem vom Standplatz ab :-). Unsere geliebten Standplätze am Strand bringen oft viel Sand ins Wohnzimmer, aber die Toleranzschwelle für Sand ist im Verhältnis zu Schlamm sehr hoch. Ja das Thema Feuchtigkeit. Schlamm im Auto, bedeutet meist, dass die Luftfeuchtigkeit auch etwas höher ist. So gehört es dazu, regelmäßig zu kontrollieren, dass sich im Wohnraum kein Kondenswasser bildet bzw. mögliche Schäden oder Problemstellen frühzeitig erkannt werden.

Wenn dann alles an seinem Platz, der Sand wieder am Strand und der der Innenraum-Check-up erledigt sind, wird fleißig gespült und gewaschen, mit Hand. Waschsalons sind hier bei Dauerregen, wie ihr wisst, eine tolle Alternative und Freizeitbeschäftigung. Muss das Land nur noch welche haben. Aber es findet sich sicher immer eine Möglichkeit zum Wäschewaschen und, noch wichtiger, zum Wäschetrocknen.

Das Wasser für unsere Waschaktionen in unserem Haus muss auch besorgt werden. So sind wir immer wieder „auf der Suche“ bzw. nutzen fast jede Gelegenheit unseren Frischwassertank aufzufüllen. Ähnlich verhält sich das mit dem Abwasser. Was aber in der Prioritätenliste sehr weit hinten liegt ;-). Aber auslehren muss man es dann doch.

Fehlen nun noch bei den regelmäßigen Tätigkeiten das Kochen und Einkaufen. Wir kochen meist selbst, meist ist mehrmals täglich, draußen oder drinnen, auf Holzkohle oder Gas. Einen Backofen haben wir keinen. Gekocht wird was gerade die Vorratskiste hergibt. Immer ein bisschen mit der Challenge im Hinterkopf, so wenig Wasser und Geschirr wie möglich zu verbrauchen, aber trotzdem feine Gerichte zu kredenzen und am besten noch angelehnt an die lokale Küche.

Das Einkaufen ist meist keine reine Nahrungsmittelbeschaffung. Das ist auch so ne Freizeitbeschäftigung. Wir lieben und genießen es regional einzukaufen. Der Laden kann nicht klein genug sein, das Gefühl nach dem Eintreten nicht fremd genug und die Kommunikation mit den Verkäufern nicht schwer genug. Natürlich gibt es Länder und Situationen, in denen wir mit dem Haus direkt vor die Türe fahren und einen Großeinkauf in einem großen Supermarkt bekannter Marken tätigen. Gerade wenn es nicht angebracht ist, täglich einzukaufen. Aber auch in den großen Supermärkten kann man Stunden verbringen, sich durch das fremde Sortiment zu arbeiten, um später dann voller Vorfreude und Spannung zu kosten, was man da eigentlich gekauft hat. Gelegentliche Fehlkäufe führen in der Regel nicht zu einer Lebensmittelvergiftung, sondern zu Belustigung. Gelegentlich kommt dann noch Bügeln und Büroarbeit dazu, wie in jedem anderen Haushalt halt auch.

Das wars jetzt so zum Thema rund ums Haushalten. Was vielleicht doch auffällt, dass es oft deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt bzw. wir uns auch deutlich mehr und bewusst Zeit nehmen für die ein oder anderen Dinge. Und ehrlich gesagt ist es manchmal auch nervig unterwegs ständig nach Gelegenheiten Ausschau halten zu müssen oder gar zu suchen, besonders wenns halt einfach mal schnell gehen soll.

Weg vom Haus, weiter zum Auto. Bisher ist unser 32-jähriger LKW wirklich pflegeleicht. Seinen täglichen kurzen Check-up besteht er meist mit Bravour und die Intervalle wie Filter- und Ölwechsel, Abschmieren, usw. sind auch gut machbar, nehmen aber gelegentlich auch ein paar Tage in Anspruch. Benötigen wir Betriebsmittel oder Ersatzteile, die versandt werden müssen, müssen wir uns eine Adresse oder Packstation suchen, an der wir dann auf die heiße Ware warten. Wir verbringen einige Zeit im LKW mit Fahren. Wir ziehen vor, nicht allzu lang am Stück (am besten unter 100 km) und nicht jeden Tag zu fahren. Es gibt tolle Straßen, auf denen es richtig Spaß macht zu fahren, durchwegs aufregend und spannend, viel Strecke macht man dabei aber nicht :-D! Zwischendurch kann so eine super ausgebaute Autobahn dann auch wieder für Freude sorgen. Dann hören wir dabei Musik, ein Hörbuch, einen Podcast oder wenns sein muss auch Audiodateien, die zum Studium gehören.

Nun aber zur wichtigsten Tagesbeschäftigung: das Entdecken! Jeder Tag ist von neuen Abenteuern gesäumt. Die oben beschriebene Routine ist Beiwerk. Der Hauptteil des Tages wird bei uns aktiv verbracht. Oft gehen wir mehrmals am Tag, meistens zweistellige Kilometerbeträge durch die neue Umgebung. Dabei bewundern wir die Städte, eindrucksvolle Landschaften und genießen die Zeit. Gerade in Finnland haben uns die endlose Weite und die raue Natur beeindruckt, welche wir dann am Lagerfeuer mit unserem Proviant genossen haben. Auch hier hätte Schweden sicherlich sehr viel zu bieten. Nächstes mal dann eben. Zum Wandern gesellen sich dann auch noch Aktivitäten wie Klettern, Kanufahren, Motocrossfahren, Angeln usw. Eigentlich ist unser Drang nach Bewegung und Entdeckung nur durch unsere Ausrüstung gedeckelt, da wir nicht noch Mountainbikes und Ski mitschleppen können. Zum Entdecken gehört die Recherche. Recherche über alles Erdenkliche, was sich gerade so um uns herum finden lässt. Wir versuchen uns immer ein bisschen in das jeweilige Land, das jeweilige Gebiet, die dort lebenden Menschen mit ihren Bräuchen, die Geschichte, die Sprache (Zumindest ein paar auswendig gelernte Sätze in der Landessprache sollten es mindestens immer sein.), das lokale Essen, usw. usw. usw., einzuleben. In Skandinavien und im Baltikum haben wir uns vermehrt mit dem Fischen und Essbarem der dortigen Natur beschäftigt und mit viel Freude einiges ausprobiert. Auch die regionalen Sportarten und Freizeitbeschäftigungen ziehen uns magisch an. Es gibt so unendlich vieles zu entdecken, alle Sinne sind gefordert. Und erscheint einem ein Ort oder eine Situation gerade besonders trist, so lohnt es sich meist umso mehr mal Ohren und Augen besonders weit aufzusperren. Und es wird sich was Spannendes finden lassen!

Aber unser größter Luxus ist die Zeit. Dieser Luxus führt uns in die größten Abenteuer. Wir haben die Zeit, spontan fast alles zu machen, uns mehrere Stunden zu unterhalten, nicht nur zu zweit, sondern auch wenn wir jemanden nettes treffen. Meistens sind diese Unterhaltungen enorm bereichernd, da wir so viele Einblicke in andere Lebens- und Denkweisen erhalten und damit auch kognitiv einigermaßen frisch bleiben 😉. Wir können spontane Einladungen mit unklarem Ausgang annehmen, wir können spontan eine Fähre auf die nächste Insel nehmen, wir können einfach von jetzt auf gleich umentscheiden. Wie unser Tag aussehen wird, wissen wir meistens nicht. Es ist egal, wo wir am Abend sind und es ist egal wie es am nächsten Tag weiter geht. Solange das Bauchgefühl stimmt, ist alles gut. Und wenn nicht, müssen wir (wieder spontan) was ändern. Wenns uns dann doch mal langweilig wird, alle Pflichten des Alltags erledigt sind, suchen wir uns irgendetwas neues mit dem wir uns beschäftigen oder was wir erlernen können.  Die Listen über diese Möglichkeiten sind alleine in unseren Köpfen schon unendlich lang und der jeweilige Ort weckt immer neue Ideen. So viel zum Thema. Jetzt bricht wieder eine neue Zeit für uns an. Wir sind früher als erwartet und länger als erwartet in Deutschland. Ist das Heimaturlaub? Mal sehen. Wir werden euch dann mal berichten was wir aus diesem „Heimaturlaub“ so rausholen. Einerseits freuen wir uns sehr auf die Zeit mit Freunden und Familie, andererseits wissen wir noch nicht, ob uns „das Warten auf bessere Zeiten“ so leichtfällt. Bis dahin, lebet lustig, lebet froh, wie die Maus im Haferstroh!

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