2021 – Weltreise Teil 11 – Griechenland

Als wir mit diesem Bericht beginnen sind wir schon mehr als 2 ½ Monate im schönen Griechenland und schon wieder einige Zeit „on the road“.

Nachdem wir ein paar Wochen in einem schönen Haus über dem Meer verbracht haben ging es für uns wieder in unser heißgeliebtes Zuhause, in unseren Steyr. Die große weite Welt rief, unser Drang nach Freiheit und Natur und Einsamkeit wurden immer größer. Wir haben die ersten Wochen in Griechenland wirklich genossen. Es genossen mit einem alten, klapprigen griechischen Auto in die kleinen Küstenorte zu fahren, allerlei kleine Läden aufzusuchen, in denen wir für unsere Gastgeberin Dinge besorgten. Wir haben es genossen, die vielen kleinen Aufgaben des Alltags, die ein fremdes Land mit fremder Sprache und fremden Schriftzeichen an einen stellt, aufzunehmen. Besonders aufregend und intensiv waren die Besuche auf dem kleinen Wochenmarkt. Bauern der Region priesen hier alle ihre feinen Waren an und anfangs etwas überfordert von den vielen quirligen Menschen, fremden Stimmen und Gerüchen wurde es bald wieder zu einem unserer Highlights. Wie wir das während des letzten Jahres vermisst haben! Ja auch hier herrscht ein Lockdown und die Marktbesuche sind coronareglementiert, wie auch das Einkaufen in den Geschäften, aber wir genossen es trotzdem.

Auf dem Rückweg noch einen frischen Kaffee plus feine Bäckerware mit abschließendem Spaziergang am Strand, machten die Dienstfahrt zum Genuss. Diese Erlebnisse sollten wieder etwas weniger werden mit dem Einzug in den Steyr. Das war uns klar. Wie schon im vergangenen Jahr heißt das Leben im Steyr während Corona und mit eingeschränkten Reisemöglichkeiten und dem Infektionsschutz willen, dass wir nur ca. alle 2 Wochen Lebensmittel einkaufen werden und in der Zwischenzeit uns eine tolle Zeit an möglichst einsamen und versteckten Orten machen, was aber unserer aktuellen Sehnsucht nach Einsamkeit sehr entgegen kommt und im warmen, wilden Griechenland kein großes Problem darstellen sollte. Man kann halt nicht alles haben. Manchmal aber schon :-)!

Wir freuen uns schon auf Cafè- und Restaurantbesuche, auf unsere kurzen, aber intensiven Streunereien in kleinen Dörfern und Städten mit kleinen Gassen und Hintertüren. Irgendwann wirds wieder möglich sein.

Ganz langsam zogen wir über die Peleponnes, immer wieder wohnen wir mehrere Tage oder sogar Wochen an wirklich einsamen und wunderschönen Orten ohne Infrastruktur. D.h. spätestens sobald unsere Trinkwasservorräte aufgebraucht sind, ziehen wir weiter.

Trotzdem sind wir überrascht, auf wie viele Reisende wir treffen. So passiert es kaum, dass man während der Fahrt keine Wohnmobile trifft. An den besonders beliebten Standplätzen, die in einigen Apps markiert sind und derzeit zugänglichen Sehenswürdigkeiten trifft man fast immer einen Reisenden. So kommt es zwischendurch zu wirklich tollen und erfrischenden Gesprächen, deren Inhalt nicht immer das Reisen während Corona beinhaltet. Die Spielregeln dieser Reisenden sind auch klar. Anpassen, aufpassen, unauffällig verhalten, Infektionsschutz. Einfach ganz klar, dankbar sein, dass wir hier sein dürfen und so freundlich von den Einheimischen behandelt werden. Wir besuchen z.B. die Neda und Polylimnio Wasserfälle, wohnen einige Wochen am bekannten Paralia Elea, auch der Paralia Voidokilias und Gialova fesseln uns eine ganze Weile.

Wir besuchen einige gesunkene Schiffwracks, wie die „Dimitrios“ bei Gythio und genießen vereinzelte Stravanzereien durch kleine wunderschöne Städtchen wie Areopoli.

Auf der Mani erkunden wir auch den zweitsüdlichsten Punkt Europas, zusammen mit Emmi, einer Hundedame, die fleißig jeden Besucher, den sie erwischen kann, bis ans Kap Tenaro und zurückbegleitet. Zwischendurch sind wir dann einfach mal weg. Mal kürzer, mal länger. Oft ohne den Hauch von Zivilisation (gut abzulesen an der vorhandenen Müllmenge). 4×4 hat sich auf jeden Fall rentiert (Sandbleche waren noch nicht nötig ;-)), zumindest zu dieser Zeit in Griechenland. Auch wenn die niedrigen Olivenbäume und buschigen Orangenplantagen das ganze ordentlich einschränken können und hier besser ein kleineres 4×4-Haus wäre. In Anbetracht der anfänglichen doch noch winterlichen Temperaturen und den damit verbundenen Niederschlägen und dem wirklich greisligen Wind dazu (mehr Seegang im Steyr als auf der Fähre ;-)), relativiert sich das ganze deutlich. An unseren Wohnorten studieren wir immer ein bisschen die Natur. Sammeln und trocknen wilde Kräuter, informieren uns etwas über die Pflanzenwelt um uns herum. Begutachten und recherchieren zu spannenden oder auch bedrohlichen Insekten.

Lernen z.B. so den Ameisenlöwen kennen, der sich eifrig, oder eher auf der Flucht vor uns, immer wieder im Sand vergräbt. Forschen an einer Spinne, ob es eine schwarze Witwe oder eine falsche schwarze Witwe ist und sind dann völlig verwirrt als es aus ihrem Loch nachts leuchtet. Liegt es an einem Glühwürmchen was sie da deponiert hat oder leuchtet sie selbst? Keine Ahnung… ist es doch ein ganz anderes Tier? Leuchtet ein Glühwürmchen noch, nachdem es tot ist?… Wir sind halt keine Biologen.  Dann sind da noch die Schlangen, die im Frühjahr doch häufiger anzutreffen sind. Wir immer auf der Hut aber neugierig sie beobachten zu können. Die frühlingshafte Natur in Griechenland ist einfach eine Wucht. Es gibt so viel zu entdecken. Überall beginnt das Leben, überall wuselt es, überall sprießen die Pflanzen, überall duftet es. Der Duft der Orangenbäume und Rosmarinsträucher machen einen zwischendurch ganz kirre. Auch wenn vor manchen Insekten wie dem Pinien-Prozessionsspinner Achtung geboten ist, macht es Spaß das Alles zu beobachten. Und noch dazu die herzlichen und entspannten Griechen. Also für die Zukunft. Südgriechenland, bzw. Peleponnes, zwischen Februar und Mai, macht es! Erkundet die einsamen Buchten, wandert über kleine Ziegensteige an einsame, magische Orte und springt ins glasklare Meer!

Schlendert durch traumhafte kleine Städtchen, die aus der Winterruhe erwachen, genießt in den zahlreichen Tavernen feine Mittelmeerkost und trefft auf gesprächige, nette Einheimische, die motiviert die Touristensaison vorbereiten, in der sich die Einheimischen in kältere Gebiete zurück ziehen und den Nordeuropäern ihre kleinen Paradiese überlassen, die sich dann in Massen durch die kleinen Gassen der bekannten touristischen Hotspots schieben oder Sardine am Superstrand spielen.

Wir verbringen noch eine ganze Weile auf dem östlichen Finger der Peleponnes, auf dem es uns besonders gut gefällt. Wir wissen gar nicht wo es uns besser gefällt.

Die Landschaft ist zum Teil sehr unterschiedlich und jeder Platz hat sein eigenes großes Areal zum Entdecken. Es wird auch deutlich wärmer. Die erste Nacht mit über 20 Grad lässt Christian erst einmal eine fieberhafte Krankheit vermuten, aber ein Blick aufs Thermometer erklärt schnell die nächtliche Hitzeattacke. Gelegentlich reißen uns starke Sturmböen aus dem Schlaf, die, Gott sei Dank, meist so schnell wie sie gekommen sind wieder verschwinden. Nur eine Nacht schlagen wir uns komplett um die Ohren. Es will und will nicht besser werden, das Schiff schaukelt und wird immer wieder schwer von Böen ergriffen. Also nach langem hin und her…doch nachts die Umgebung absuchen und umparken, um irgendwie ein bisschen Windschatten zu ergattern, die Front gegen den Wind auszurichten, um ein bisschen die Sorge davor, dass die Dachfenster sich doch verabschieden, zu beruhigen, mit der Hoffnung dabei auf ein paar Minuten oder gar Stunden Schlaf. Ziemlich schief und nur wenig Besserung der Windsituation geht auch diese Nacht vorbei. Die Dachfenster sind noch da und wir noch wach.

Eigentlich wollten wir gleich zum Klettern aufbrechen. Jetzt wird aber erst mal ein Schlaftag eingelegt. Schlaftage sind auch super und notwendig. Irgendwie muss man die häufigen Ortswechsel und Situationswechsel doch hin und wieder verarbeiten. Spätestens dann, wenn wir uns so richtig auf die Nerven gehen, ists wieder genug mit Schlaftag. Irgendwann geht’s dann aber doch zur Felswand zum Klettern.

Nachdem wir jetzt ganz im Süden waren, heißt es zwangsläufig, dass es irgendwann wieder Richtung Norden gehen muss. Spontan entschließen wir auf welcher Route wir unseren diesjährigen Heimaturlaub in Deutschland antreten werden. Ist noch ein bisschen hin, aber ja auch noch einige Kilometer und Landesgrenzen dazwischen. Auf Grund der Coronasituation beschließen wir nicht mehr weiter in den Osten der Peleponnes weiterzufahren und nehmen die Route durchs Landesinnere über Sparta und den schönen Langada Pass. Wir haben nun vor doch wieder ein bisschen weiterzufahren als die bisher durchschnittlichen 8 km pro Tag (da hätten wir ja auch laufen können), also steuern wir noch einen Lidl an, auf dessen Parkplatz wir ziemlich lange warten bis wir Lust haben endlich einzukaufen. Es ist Samstag und die Ampel am Eingang zeigt immer wieder rot. Als sich die Wartegemeinschaft vor dem Geschäft aufgelöst hat schaffen wirs doch mal aus dem Auto. Die Zeit haben wir hervorragend genutzt, unsere letzten Reserven zu verputzen. War das Essen aus Langeweile oder „first in last out“ optimiert praktiziert oder eine Sparmaßnahme? Jedenfalls streng nach Einkaufszettel eingekauft und gut gesättigt geht es dann noch weiter FFP2 Masken besorgen. Die Aufgabe uns eine Druckerpatrone zu besorgen will uns aber einfach nicht gelingen. Dann kaufen wir halt doch noch gleich 2-mal Kuchen hintereinander. Schaut so schön aus. Der erste schmeckt aber halt nicht. Der zweite schon. Es geht weiter Richtung Norden. Wir sind schon wieder auf dem Festland. Eigentlich wollten wir schon auf der Peleponnes noch einmal unsere Wäsche waschen. Sehr spontan verwerfen wir immer wieder unsere Pläne. Nur nach Albanien solls weiter gehen, das steht fest und Ostern steht an. Wir ziehen uns hierfür an einen einsamen nicht einsehbaren Platz an einem Flußbett zurück. Nur Elmo unsere Hausschildkröte und ein Haufen Insekte tummeln sich dort.  Die Mücken schicken uns früh ins Bett, die Glühwürmchen und Grillen geben ihr bestes und für einen kurzen Augenblick lässt sich auch ein Schakal im Flussbett blicken. Christian ist es ein bisschen langweilig. Tagsüber ist es stickig und heiß und am Insektenbeobachten findet er nach kurzem auch keinen großen Gefallen mehr.

Zufällig befindet sich ein anderes reisendes Pärchen, was wir wirklich ins Herz geschlossen haben und gerne nochmal getroffen hätten, ganz in der Nähe. Eigentlich wären sie schon wieder in Deutschland, aber haben spontan die Fähre verschoben. Also nichts wie los. Kurz noch gecheckt, wann unsere letzten engeren Kontakte zu andern waren, das Flusslager abgebrochen, Waschaktion wieder auf weiteres verschoben und los. Schnell wird wieder ein Kuchen auf der Strecke besorgt und dann treffen wir mit Wiedersehensfreude an einem traumhaften Platz auf unsere Bekannten. Lachend wird festgestellt, dass wir unser Lager wohl doch nicht so professionell abgebrochen haben und die ganze Zeit mit dem Rasierspiegel an den Sandblechen hängend gefahren sind. Später stellen wir noch fest, dass wir auch noch ein Teil unsers Sonnensegels am Flussbett vergessen haben. So kann man seinen Hausstand auch verkleinern. Wir genießen die restlichen Feiertage zu viert und bei bestem Wetter mit tollen Gesprächen bis spät in die Nacht. Und schon wieder werden Ideen und Pläne für die Zukunft geboren. Dann trennen sich unsere Wege. Wir brechen auf ins Landesinnere. Die Außengastronomie ist wieder geöffnet und nach über einem dreiviertel Jahr genießen wir wieder einen Kaffee auf einer Terrasse, dazu gibts noch Waffeln mit Eis und Schokosoße, Diabetes inklusive.

Nach einem etwas schwierigen Prozess des Bezahlens dämmert es uns erst bei Verlassen des Lokals, dass der Besitzer uns das ganze schenken wollte. Auf die Idee sind wir nicht gekommen, als er unser Geld nicht wollte und auch kein Trinkgeld annehmen wollte. Durchweg sind wir auf herzliche und äußerst freundliche Griechen getroffen. Und es waren nicht nur die vielen winkenden und lächelnden Personen am Straßenrand. Es waren Familien, die uns etwas von ihrem Picknickproviant geschenkt haben oder einfach ans Auto gehängt haben, Anwohner, die uns mit Obst versorgt haben oder Lebensmittelhändler, die uns so gut wie immer etwas umsonst dazugegeben haben. Und auch hatten wir einfach 10 Eier auf der Treppe stehen, von einer Deutschen gebracht. Es war immer schön so freundlich empfangen zu werden, obwohl man nicht wirklich in Kontakt treten konnte und die Einheimischen wirklich strengen Ausgangsbeschränkungen unterlagen, denen wir größtenteils auch Folge zu leisten hatten. Aber sie haben uns nicht verpfiffen oder uns angegriffen. Sie haben gesagt wir sollen es genießen, es uns schön machen und wiederkommen, um mit ihnen dann zusammen zu feiern. Nicht selbstverständlich.

So sind wir etwas hin- und hergerissen ob wir wirklich schon abreisen sollen. Wer weiß wie es dann ist. Ein Tavernenbesuch nach der Waffelnarkose ist auch nicht mehr drin. Sollen wir doch nur einen Transit durch Albanien und Montenegro machen? Wir beschließen bald zurückzukommen, um den Osten Griechenlands noch einmal in Ruhe zu bereisen. Hoffentlich dann ohne Einschränkungen. Das mit dem Wäschewaschen bekommen wir aber noch hin und können im LaundryKing in Windeseile 22 kg Wäsche durchwaschen. Rekord: 1,5 h von Schmutzwäsche aus dem Schrank bis Frischwäsche wieder im Schrank. Günstig wars dazu.

Nach fast 4 Monaten stehen wir auf einem erhöhten Platz auf einer Bergstraße bereits die Sicht hinüber ins bergige Albanien. Unsere letzte Nacht in Griechenland.

Noch ein paar Gedanken zum Schluss:

Behalten wir eine Zwangsstörung, ständig eine Maske zu tragen und ein Permit, welches wir ständig aktualisieren, mit uns zu führen?

Einen Tag unterwegs auf der Peleponnes keinen Reisenden zu sehen, war ein außergewöhnlicher Tag, man könnte fast sagen keinen deutschen Reisenden oder auch kein 4×4 Fahrzeug zu sehen.

Die Menge an spannenden und bereichernden Begegnungen machen alle Einsamkeit des vergangenen Halbjahrs wett! Und sie liegt weit über denen der Klasse „Fremdschämen“, „Einfach freundlich lächeln“ oder „wir müssen dann mal weiter“.

Wir haben noch nie so viele Offroadfahrzeuge gesehen, abgesehen von der Messe Abenteuer Allrad.

Warm und trocken ist doch besser als kalt und nass!

Kuchen ist auch in Griechenland äußerst fein!

Auf gehts nach Albanien! Bis bald!

2 Gedanken zu “2021 – Weltreise Teil 11 – Griechenland

  1. Hallo ihr Beiden,
    schön dass ihr wieder unterwegs seid und es euch gut geht. Auch bei uns geht es bald wieder los, wenn natürlich auch total konservativ nach Österreich und später im Jahr dann Spanien.
    Aber auch wir freuen uns total darauf und natürlich auf eure weiteren Erlebnisberichte.
    Bleibt neugierig, so wie wir es in jungen Jahren auch waren.
    LG Gabriela und Hans

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