2021 – Weltreise Teil 12 – Albanien

Welcome to Albania! Anfang Mai reisen wir also nach Albanien ein. Der Grenzübergang verläuft schnell, unkompliziert und unspektakulär. Nach der Grenze werden wir von einem Pferd und einer Straßenhündin begrüßt und dann gehts schon wieder gleich in den nächsten Bergpass zur ersten Sehenswürdigkeit im Süden Albaniens. Das Blue Eye (Syri i Kaltër) eine Quelle zwischen Jorgucat und Saranda, dem beliebten Badeort an der albanischen Riviera. Die Fahrt über die Staumauer kostet ein paar Leke, die wir noch nicht an Board haben, aber mit 2 € ist der Kassierer auch äußerst zufrieden (erhöhter Wechselkurs) und wir können passieren. Wir sind früh dran, die Restaurants öffnen gerade und so können wir in Ruhe ein paar Minuten an der größten Quelle Albaniens genießen, bevor wir dann erst mal Mittagessen gehen. Das Blue Eye verlockt zum Hineinspringen, vielleicht gerade deshalb, weil die genaue Tiefe nicht bekannt ist, mindestens 50 Meter heißt es, mit einer Abflussrate von 18.400 L/s und einer ziemlich konstanten Wassertemperatur von 12,75°C. „Ploppt“ man da also richtig heraus, wenn man hineinspringt? Ja tut man.

Am Nachmittag füllt sich der Platz. Allein 7 Vans zählen wir, dazu kommen noch andere Reisefahrzeuge aus Europa, Mietwägen und etliche PKWs aus den angrenzenden Ländern. Ganz schön was los. Eigentlich auch klar. Albanien bietet uneingeschränktes Reisen und keine Einreisebeschränkungen für Ausländer. Da müssen wir uns erst mal wieder daran gewöhnen. Griechisches Zwangsverhalten ablegen und Kopf einschalten. War die ersten Tage gar nicht so einfach im richtigen Moment die Maske aufzuhaben und ausreichend Abstand zu wahren. Aber nach kurzer Zeit bewegen wir uns für unser Verständnis wieder sicher und fühlen uns wohl dabei.

Nach dem Blue Eye des Südens gehts für uns direkt nach Saranda, Bargeld und Handykarte besorgen. Nur zur Info: Die LKW-Verbotsschilder in Saranda haben ihre Berechtigung, wir habens ausprobiert. Mit viel Hupen (um den Fahrern, die gerade gemütlich shoppen sind Bescheid zu geben) wird für uns aber das 2te-Reihe-Parken aufgelöst und wir kommen durch. Wie immer finden wir dann doch noch einen guten Parkplatz oberhalb des Stadtkerns und somit ist unser Bummel auch erfolgreich. Saranda können wir auf den ersten Blick nicht so richtig was abgewinnen und wir steuern den erst besten Strand zum Übernachten an. Christian hat schon keine Lust nach unten zu fahren, sieht aus wie ein Campingplatz, aber wir sind müde und entscheiden deshalb, es uns mal anzuschauen. Unten angekommen treffen wir auf zahlreiche Fahrzeuge, aber hinter der Fahrzeugschlange ist noch etwas Platz. Wir fragen die dort stehenden deutschen und schweizer Familien was für eine Art Camp hier ist. Nachdem klar ist, dass der Platz wohl zur anliegenden Bar gehört, aber das Campen in der Nebensaison sogar kostenlos toleriert wird, es nicht eine „Oh wir müssen mal weiter!“ Situation ist und unsere sympathischen Nachbarn einwilligen, dass wir ihnen bis auf 1 m Fahrzeug!-Distanz auf die Pelle rücken, parken wir ein. Sogar noch ein weiteres nettes Reisepärchen schließt sich der Polonaise an. Ganz entgegen unseren Erwartungen genießen wir die Zeit an diesem Ort sehr. Wir haben gute Gespräche mit unseren Nachbarn, beobachten mit Freude wie deren Nachwuchs mit großen Augen die Welt erkundet, alle auf Trapp hält und sitzen am Abend lang am Feuer.

Eigentlich hätten wir unseren Kühlschrank in Saranda noch auffüllen müssen. Aber das erledigt sich von selbst. Es kommt jeden Tag ein Gemüselaster und ein rollender Supermarkt vorbei. Die anliegende Bar versorgt uns zudem mit kühlem Bier, frischem Kaffee und auch die Speisen lassen sich sehen. Unterbrochen wird die Idylle von einem seltenen Ereignis: mittags entdeckt Christian etwas im Meer, was an den Strand treibt. Nach langem Rätseln und schwindender Entfernung wird klar: Das ist eine Meeresschildkröte! Leider ist sie tot und wird an den Strand gespült. Über einen Meter ist sie groß. Gruselig und faszinierend zugleich. Aber kein Grund wieder aufzubrechen. Ein paar Tage später, mit vielen neuen Impulsen und interessanten Geschichten und Backgrounds unserer dortigen Begegnungen, tun wir es doch, aber wir kommen nicht weit. Die erste Kaffeebar lädt zum Stopp ein und da pfeift es aus Sarahs Sitz. Christian behauptet noch kurz, dass das nicht aus unserem Fahrzeug käme, obwohl Sarah schon 15 cm tiefer sitzt. Wäre ja auch die schönere Lösung gewesen. Ja jedenfalls ist da irgendwas undicht bei der Versorgung des Sitzes mit Druckluft. Eigentlich kein Problem, sitzt Sarah halt ungefedert und etwas tiefer, Ohropax wären zur Weiterfahrt noch zu empfehlen. Vielleicht doch ein Problem? Der Sitzt hängt am gesamten Druckluftsystem des LKWs und kann der Druck im System nicht erreicht werden, bremst der Dicke einfach ordentlich, sodass eine Weiterfahrt nicht möglich ist. Problemlösung: Sitze vor Ort ausbauen, erst einen, dann den zweiten (zwecks Vergleich, was da fehlt), zerbröselten Schlauch finden, Alternativschlauch suchen, keiner da oder zu kurz, Infusionssystem einbauen, hält dem Druck nicht stand, Pause.

Wir gehen erst einmal in den Supermarkt gegenüber (Schläuche gibt es leider nicht) und anschließend in die eigentlich angesteuerte Bar.

Dort treffen wir Claudia aus Deutschland. Sie wohnt hier im Dorf und kam gerade erst aus Saranda vom Feiern zurück und ist noch etwas lädiert. Wir schildern ihr unser Problem und sie bestellt uns erst mal etwas zu Essen in ihrem Stammlokal. Mit dem Wirt können wir auf Grund unserer mangelnden Albanisch Kenntnisse nur schlecht kommunizieren. Aber Claudia übersetzt und so telefoniert er herum, ob irgendwo in der Nähe ein LKW-Mechaniker aufzutreiben ist. Nachdem wir kulinarisch überversorgt und vielen Tipps und Informationen über Albanien und Albanische Straßen ausgestattet sind, steht fest, dass wir wieder nach Saranda zurückfahren, zum Truckservice. Nachdem der Sitz provisorisch (schlechtes Provisorium, hält nur ein paar km) stillgelegt ist und beide Sitze wieder verankert sind brechen wir auf. Etwas über 30 km und eine Stunde später ist alles wieder paletti. Immer noch sollten wir mal wieder richtig einkaufen, die Grundnahrungsmittel auffüllen. Der größte Supermarkt von Saranda befindet sich genau am anderen Ende aber durch Claudias Informationen wissen wir nun, dass das auch mit dem LKW kein Problem ist. Man muss nur die 5te Straße nehmen. Und so ist es auch. Ganz entspannt geht es nochmal durch ganz Saranda, geparkt wird am Straßenrand und das Lebensmittellager ist wieder bumsvoll (im Supermarkt, welcher der größte von Saranda ist, läuft übrigens Deutschrap in voller Lautstärke). Leider können wir Saranda auch beim zweiten Mal nicht mehr abgewinnen. Der neue Plan, etwas länger in die Berge zu fahren, scheitert daran, dass wir in der Umgebung kein Frischwasser finden. Also zurück an die Küstenstraße nordwärts, kennen wir ja schon, beim 3ten Mal. Wir landen wieder am Strand. Nur wenige Kilometer hinter unserem letzten Domizil. Aber diesmal ganz allein mit einem vollen Frischwassertank. Nach einer erholsamen Nacht starten wir den nächsten Versuch in die Berge. Die ersten Kilometer Piste fordern bereits unsere gesamte Haltemuskulatur, aber die Strecke ist wunderschön, nur… etwas schmal. Dann kommen die ersten schwierigen Stellen, Abbrüche am Straßenrand am Abgrund und tiefhängende Äste. Für einen schweren und hohen LKW eine ungünstige Kombination. Die ersten Engstellen können wir gut durchfahren, doch dann kommt der altbekannte Olivenbaum. Zwar etwas höher als die uns aus Griechenland bekannten Verwandten aber dennoch so klein, dass seine knochigen Äste weit in die Fahrbahn ragen und dazu links ein Loch am Abgrund. Ein schönes Plateau davor lädt zum Verweilen ein. Die Karte sagt, dass noch ca. 100 km vor uns liegen, ein paar Dörfer auf dem Weg, aber nicht wie viele solcher Stellen. Da es ja noch die besagte asphaltierte, zweispurige Küstenstraße Richtung Norden gibt und wir nicht wissen wie viele Artgenossen und andere Überraschungen noch kommen werden, entscheiden wir uns dagegen, dem Baum seine Arme zu nehmen und drehen um. Ja da simma wieder. Die Dorfbewohner an der Küstenstraße kennen uns schon, sind ja schon ein paar mal an ihrer Dorfkneipe vorbei gefahren. Sie grüßen uns mit jedem mal etwas verwunderter und vielleicht haben sie sich bei der letzten Aktion eh schon gedacht, dass das nicht funktioniert. Unserer Erfahrung nach gehen Laien aber eher davon aus, dass wir alles fahren können außer in Innenstädte hinein. Unsere Erfahrung zeigt das Gegenteil. In Albanien geht es uns immer wieder so. Sobald man von Hauptrouten abweicht, gehen diese in Pisten über, oft sind ganz normale Straßenschilder angebracht und die anfangs gut befahrbare Strecke endet für uns in irgendeiner Engstelle. Ist es nicht die Straßenbreite, die durch Hauswände oder Abbrüche eingeschränkt ist, sind es Strom und Wasserleitungen in 1,5 m Höhe oder tiefhängendes Gestrüpp. Auch wenn unser Fahrzeug durch seinen Antriebsstrang und die Bodenfreiheit wirklich wildes Gelände durchklettern kann, ändert es nichts daran, dass es 3,7 m hoch und 2,5 m breit ist. Um Löcher in unserem Haus, kaputte Fenster und einen Abriss unserer hochheiligen Solaranlage zu vermeiden oder gar festzustecken, bleibt dann nur das Umdrehen bzw. das Zurücksetzen bis das Umdrehen überhaupt möglich ist. Zudem wäre es uns äußerst unangenehm Anwohnern ihre Strom- und Wasserversorgung zu nehmen und Schäden an Gebäuden und Vegetation brauchts auch nicht unbedingt. Trotzdem finden wir in Albanien immer wieder machbare schöne Routen, die uns ins Hinterland dieses ärmlichen Landes führen.  Wir sind nicht „offroad“ unterwegs, obwohl sich das vielleicht so anfühlt und so aussieht, wir sind auf albanischen Nebenstraßen unterwegs, wo 4×4 oder viel Schwung und Mut gefragt sind. So verschwinden hier auch die extrem teuren Luxuskarossen, die uns in den Städten immer wieder ins Staunen und Verwirrung versetzen. Hier trifft man alte Rotteln, die unterwegs schon mal ihre Scheinwerfer verlieren, Esel- und Pferdekarren oder den alt bekannten Homo sapiens ganz ursprünglich, sich auf ihren eigenen Beinen bewegend, an. Die kommen hier problemlos durch. Hier sei noch angemerkt, dass wir überall freundlich empfangen wurden, auch wenn wir uns mal etwas verfahren haben.

Wir landen im weiteren Verlauf noch ein paar Mal am Meer, die Strände imponieren uns nicht. Hin und wieder finden wir einen schönen Platz sowie einen alten Uboot-Bunker, für den wir mit ein bisschen Regelflexibilität ein Militärgelände durchqueren und unsere Offroadkünste unter Beweis stellen müssen. Aber mit Bodenfreiheit hat das Fahrzeug wie erwähnt lange kein Problem. Leider lassen sich die Soldaten nicht in ein Gespräch verwickeln, um noch die erhoffte Führung durch den Bunker zu ergattern. Aber toll wars dort trotzdem.

Insgesamt kommen uns viele Strände sehr vermüllt vor, bzw. auch drum rum, was auf unseren Fotos nicht deutlich wird. Vielleicht sind wir auch ein bisschen zu verwöhnt von Griechenland. Die Müllentsorgung in Albanien lässt jedenfalls zu wünschen übrig. Christian ist richtig enttäuscht als er endlich am lang ersehnten Gjipe Beach steht. Wurde dieser doch als so traumhaft beschrieben. Schöner Strand, schöne Kletterrouten, spektakuläre 4×4-Zufahrt mit hohen Stufen, perfekt! Oben am Parkplatz erwartet uns erst mal der Wächter, es werden ein paar Leke fürs Parken fällig. Nach unseren Erfahrungen der letzten Tage laufen wir erst mal zum Strand. Schon die ersten paar Meter wird klar, wenn wir da runter fahren, machen wir rechts und links ordentlich die Büsche platt, die Solaranlage müsste nichts befürchten. Um uns schon mal ein bisschen zu bewegen laufen wir die 1,5 km ganz runter. Gute Idee! Unten angekommen stellen wir fest, dass wir mit dem Steyr gar nicht auf den Strand kommen… Rechts liegen Felsbrocken und die einzig mögliche Durchfahrt führt hinter Strandbars durch einen Baumtunnel oder eher ein Tünnelchen. Auch umdrehen nicht möglich. Ja am Rest findet besonders Christian dann auch keinen gefallen, viele Strandbars, halbzerfallene Hütten, müllig. Auch die Kletterrouten an dem eigentlich relativ sauberen Strand können nicht überzeugen. Als ein Barmann sich dann auch noch zur Arbeit genötigt fühlt als wir ein Getränk kaufen möchten, hat der Platz endgültig verloren. Zu hohe Erwartungen oder doch Reiseblues? Keine Ahnung, auch egal. Wir fahren wieder. Wir fahren über einen schönen Pass durch tolles Gelände mit vielen Übernachtungsmöglichkeiten. So lang bis wir erschöpft wieder am Meer landen und es keine andere Möglichkeit gibt als auf einem kleinen Parkplatz direkt neben der Hauptstraße zu nächtigen. Der hat sogar Meerzugang, aber mit Seeigeln ;-). Wir ärgern uns ein bisschen über uns selbst, aber ordentlich Kilometer haben wir gemacht. Wir sind durch und schlafen schlecht.  Zwei anderen Campern scheint es aber ähnlich zu gehen. So stehen drei Camper, in einem Land in dem Wildcampen überall erwünscht ist, am Straßenrand einer vielbefahrenen Straße und schlagen sich die Nacht um die Ohren. Am nächsten Morgen hilft Christian den Nachbarn noch ihre Türe zu „reparieren“, auch hier scheinen die Nerven etwas strapaziert zu sein. Für uns gehts weiter nach Vlora, Sightseeing. Auch dieser Plan geht nicht auf, irgendwie liegen die Nerven noch blank und wir fahren einfach durch Richtung Lagune von Narta. Wir haben scheinbar vergessen wie anstrengend Reisen sein kann und kapieren erst jetzt, dass wir so uneingeschränkt wie gerade schon lange nicht mehr unterwegs gewesen sind. Einzig der eigenverantwortliche Eigenschutz steht im Fokus. Also was hilft, um den Kopf frei zu kriegen. Bewegung. Wir verlassen also das erste Mal in Albanien für den ganzen Tag das Auto und laufen so ziemlich jeden Weg ab, den es um die Lagune von Narta gibt. Wir treffen lediglich ein paar Badegäste, denen der stramme Wind nichts auszumachen scheint. Zurück am Auto sind wir so ausgeglichen und körperlich erschöpft wie schon lange nicht mehr und schon am nächsten Morgen sind wir fit für neue Abenteuer.

Jetzt klappts auch problemlos Vlora anzuschauen, einen Cappuccino und eine Pizza zu genießen (die Nähe zu Italien ist hier deutlich wahrnehmbar).

So geht es weiter, wieder weg vom Meer, weiter ins Inland. Trockene Flussbetten oder schöne Plateaus zwischen Anbauflächen werden zu unseren Übernachtungsplätzen. Schon bald sind wir in Tirana. Wir beginnen mit einer Stadtrundfahrt und fahren von Südwesten, durchs Stadtzentrum, in den Nordosten, um das Museum Bunk‘arts 1 zu besuchen. Zwischen 1972 und 1984 wurden in Albanien über 200.000 Bunker erbaut, welche man überall vorfindet. Manchmal zerfallen, manchmal künstlerisch oder sogar als Restaurant genutzt, sind sie sehr präsent auf einer Durchreise durch das Land. Bunk‘arts vereint Geschichte und Kunst. Das Bunk‘arts 1 befindet sich in einem gut erhaltenen Atombunkerkomplex. Befindet man sich darin, fühlt man sich sofort wie in die vergangene Zeit versetzt, verschiedene Simulationen, akustische Untermalung und Lichtgestaltung lassen vieles sehr reell in dem echten Atombunker-Museum wirken.

Wir waren begeistert und froh wieder ans Tageslicht zu kommen. In der Innenstadt befindet sich noch ein weiteres Bunk‘arts 2, was wir auf unserem Rundgang zu Fuß gesehen, aber nicht mehr besucht haben, uns aber von Reisenden ebenfalls empfohlen wurde. Nach knapp 24h verlassen wir Tirana wieder Richtung Berge. Wir haben ein Date mit Bekannten am Bovilla See. Wir verbringen einige Tage in den Bergen über Tirana. Viele Tagestouristen tummeln sich hier. Wir nutzen die Zeit und besteigen den höchsten Berg, den wir hier finden (Ganti Mountain) und gehen zusammen mit den anderen klettern. So richtiges Kletterfieber kommt bei uns nicht auf, sind doch die Schuppen der Wände etwas respekteinflößend. Liegt es nicht in der Natur der „Schuppe“, dass sie irgendwann abfällt? Wir haben trotzdem eine wunderschöne Zeit und genießen erneut die Herzlichkeit unseres Gastlands. Als wir nach einem langen Klettertag zu fünft zu unseren Autos zurückkehren, liegt zwischen den Fahrzeugen ein Müllsack. Ein Teil von uns lässt vermuten, hier wäre Müll abgelegt worden, selbst als wir Flaschen darin erkennen, geht ein Teil von uns von leeren Flaschen aus. Aber nein. Es sind vier Flaschen gekühltes Bier. Wunderbar! Zu viert genießen wir unser Geschenk am Lagerfeuer bevor sich unsere Wege wieder trennen und der kleine Melonenwarrior (viel zu jung für Bier) geht leider leer aus.

Unsere Weiterreise steht fest. Wir wollen noch in den Theth Nationalpark bevor wir Albanien schon wieder verlassen müssen, um weiter Richtung Dubrovnik zu Reisen. Auf dem Weg liegt noch ein Bauernhof, der ein Restaurant mit eigenen Produkten betreibt. Sarah hat sich gewünscht, dort essen zu gehen. Gesagt, getan! Eine Sackgasse später und mit 4 Stunden Zeitverzug treffen wir gegen 17 Uhr am besagtem Bauernhof, Mrizi i Zanave Agroturizëm, ein. Ein riesiges Gut auf dem man sogar mit einem kleinen Traktor, an dem lauter kleine, schön bemalte Ölfässer mit alten Noträdern hängen, eine Hofrundfahrt zu den einzelnen Produktionsstätten machen kann (wir sind froh einigermaßen ordentlich gekleidet zu sein, scheint ein nobler Schuppen zu sein). Der Kellner erklärt uns in bestem Englisch, dass das Restaurant jetzt geschlossen wäre, kurze Enttäuschung kommt auf und die Option im Kopf am nächsten Tag einen Tisch zu ergattern, wir sind ja mit dem Camper da. Im selben Moment erklärt uns der Kellner, dass das Restaurant um 18 Uhr wieder öffnen würde und er für 20 Uhr einen Tisch für uns hätte. Perfekt! Wir lassen uns noch kurz das OK für eine Übernachtung auf dem Parkplatz des Restaurants geben (auf dem bereits 8 Wohnmobilstellplätze unter hohen Rankgittern, mit Strom und Trinkwasserversorgung, im Aufbau sind). Wir kriegen nur die Antwort „Ihr könnt so lange bleiben, wie ihr wollt!“. Die drei Stunden können wir gut gebrauchen nach der letzten Sackgasse. Nach einem kurzen Power Napp holen wir noch den Blitzbügler (gesponsert von Oma) und die schicken Schuhe aus dem Keller und bereiten unser Outfit für den Abend vor. Wir sehen schon wie hauptsächlich Gäste aus Tirana anrollen und sehr schick gekleidet das Restaurant betreten. Wir genießen den Abend im Restaurant. Das beste Essen seit… keine Ahnung! Es gibt keine Karte und nur die Fleischportion für beide kann man wählen. Es wird je nach Saison ein festes Menü serviert, Allergien werden vorher abgefragt und zum Essen gibt es einen alkoholfreien Aperitif und Wasser. Wir bestellen noch ein Glas des eigenen Biers und des eigenen Weins dazu. Wir sind begeistert! Uns gefällt die Atmosphäre, dass alle um uns herum dasselbe Essen bekommen und jeder es als etwas Besonderes zu betrachten scheint. Alle essen in Ruhe und mit Genuss. Hinzu kommt ein exzellenter Service, der die Speisen, die fast ausschließlich aus eigner Herstellung kommen oder regional bezogen werden, erklärt. Zum Aperitif mit eigenem Rosensirup wird ein Gruß aus der Küche serviert, der uns schon gleich umhaut. Es folgen verschiedene Vorspeisenplatten (Brote, herzhafte Kuchen, Käse, gefüllte (frittierte) Zucchiniblüten, gegrilltes und eingelegtes Gemüse, usw.), danach kommt der gewählte Hauptgang und als wir eigentlich schon gar nicht mehr können, sehen wir, dass auch die verschiedenen Desserts wohl zum Menü gehören. Die vielen kleinen Portionen reichen uns mehr als aus, aber die 3 verschiedenen Desserts passen sicher noch rein. Die angebotene Führung durch das Unternehmen verschieben wir dankend auf den nächsten Tag und fallen nur noch ins Bett. Fein wars! Ach ja, wir sind ziemlich platt als wir die Rechnung erhalten, ca. 30 €, hat uns das alles gekostet, unglaublich!

Am nächsten Morgen schlendern wir zwischen allerlei Federvieh, Ziegen und Kühen durch das Anwesen und entdecken neben den Gärten, in denen gerade schon ein Koch Erdbeeren erntet, noch das zugehörige Hotel. Wir glauben, dort zu nächtigen, könnte auch eine schöne Sache sein. Begeistert von dem ganzen Betrieb gehts jetzt aber wirklich endlich ins Theth Tal! Auf der Karte sah die Straße schon mal gut aus (groß), eine Runde könnte man theoretisch auch fahren. Aber wir sind etwas müde vom Sackgassen fahren und lernen ja auch dazu, also haben wir richtig recherchiert und andere Leute befragt. Als erstes wird klar, von Süden können wir Theth nicht anfahren, wir sind zu hoch, es soll einen Felsvorsprung geben, Durchfahrt bis 3,3 m Fahrzeughöhe möglich. Über die Straßenbreite müssen wir uns also gar keine Gedanken machen. Dann wird es halt eine Stichtour. Im weiteren Verlauf der Recherche wird klar, dass diese Straße bei den gefährlichsten Straßen der Welt gelistet ist. Hmmm… Eigentlich wollten wir uns ja nur eine schöne Zeit in den Albanischen Alpen machen. Wir finden trotzdem immer wieder Berichte von anderen LKW-Reisenden, die es geschafft haben, aber als sehr anstrengend und schwierig beschreiben. Leider sind die Berichte schon ein paar Jahre alt und wir finden immer wieder Hinweise, dass sich die Straße im Ausbau befinden soll. Youtube gibt uns dann die erwünschte Information. Wir fahren die Strecke einmal am PC mit (Video von 2020) und stellen fest, dass der gefährliche Straßenabschnitt hinter der Passhöhe hinunter ins Theth-Tal nun 2-Spurig ausgebaut und befestigt sein muss. Tiefhängende Bäume oder Engstellen sehen wir keine. Wunderbar! Wir tanken nochmal und dann nehmen wir die knapp 50 km von Koplik nach Theth in Angriff. Bis auf die Passhöhe (1.800 ü.M.) ist die Straße asphaltiert, etwas schmal aber auch die letzten engen Serpentinen gut machbar, es gibt ausreichend Ausweichmöglichkeiten bei Gegenverkehr. Haben wir aber nicht. Aber Schnee ist da. Viel Schnee, der sich rechts und links neben der Fahrbahn auftürmt. Laut Recherche ist der Pass ab April befahrbar, aber wir wissen auch, dass der letzte Winter in den albanischen Alpen besonders schneereich war. Auf der anderen Passseite endet die Teerstraße und die Straße ist wie bei Youtube gesehen wirklich breit, gut befestigt und der Schotter ziemlich gleichmäßig und fest. Auf Grund der Schneemassen wird sie zwar immer wieder einspurig, aber es ist immer noch gut möglich aneinander vorbeizufahren. Die hohen Schneewände mildern das Gefühl, dass es rechts sehr weit bergab geht. Wir sind froh, dass es so gut läuft, bis da ein Bagger in der Spur steht und Schnee von A nach B räumt. Wir haben uns schon an ein paar sehr dämlich geparkten Autos vorbeigedrückt, uns aber bis auf ein bisschen Misstrauen nicht gewundert, weil uns das in Albanien schon öfter grundlos begegnet ist. Unser Albanisch ist super, so meinen wir „1 oder 2“ zu verstehen. Ob Kilometer, Stunden, Tage, keine Ahnung. Wir können auch nicht am Bagger vorbei gehen, um nachzusehen wies dann aussieht. Der „Parkplatz“ an dieser Stelle ist für uns ungeeignet, außerdem ziehen wir es vor, nicht unbedingt bei voller Schneeschmelze unter einer großen Schneerinne uns und unser Haus abzustellen. Wir drehen um, fahren wieder über den Pass, 300 hm hinunter bis wir dort einen sicheren Parkplatz finden an dem wir erst mal ausruhen und beratschlagen können.

Unser Plan: Von oben kommende Fahrzeuge anzuhalten, um zu fragen ob der Weg jetzt offen ist. Irgendwie haben wirs im Urin, dass es vielleicht doch noch funktionieren könnte. Auf jeden Fall steht fest wir warten hier eine Nacht ab. Die ersten Fahrzeuge die wir fragen sind gar nicht so weit gefahren wie wir, aber dann kommen da Fahrzeuge runter, die wir definitiv nicht auf dem Weg bis zum Bagger gesehen haben. Nach dem es schon mindestens 5 sind die uns unbekannt sind, sind wir uns sicher, dass wir die nicht übersehen haben und die von Theth kommen müssen. Eine zuführende Nebenstrecke gibt es nicht.

Die Polizei ist auch cool unterwegs…

Kurzerhand versuchen wirs nochmal. Wieder 300 hm hoch, über die Kuppe und runter. Und es klappt! Ziemlich anstrengend wars. Viele Serpentinen und nur 2 Rangieraktionen (Gegenverkehr im einspurigen Schnee) später haben wirs geschafft. Wir sind in Theth. Die Bäume die, bedingt durch Schneebruch, doch zum Teil etwas tief runter kommen, meinen es gütig mit uns und wir können ganz gut drum rum fahren. In Theth finden wir schnell einen Standplatz für die geplante Woche. Nur noch ein Bierchen trinken und ab ins Bett.

Auf dem Weg zur Toilette hat Sarah bei dem Sprung aus dem Bett ganz schön Schlagseite. Es war doch nur ein Bier und so schief geparkt haben wir auch nicht. Das aufgeschüttete Flussbett kann nicht abrutschen. Ein Blick nach Draußen genügt. Der linke Hinterreifen ist platt. Kurze Beratung. Wir checken, ob wir so wie wir stehen überhaupt den Reifen wechseln können, überlegen pro und contra und entscheiden uns trotz Dunkelheit und schwierigem Untergrund dafür. Wir wollen vermeiden, dass der LKW mit seinem ganzen Gewicht auf der Felge steht. Mit Außenbeleuchtung und Stirnlampen bekommen wir das ganze in unter einer Stunde hin, der kaputte Reifen bleibt liegen und wir schlüpfen noch vor Mitternacht wieder ins gerade Bett.

Am nächsten Morgen finden wir den Übeltäter. Wir haben uns einen großen Nagel eingefahren. Nun beginnen wir aber wirklich endlich unseren geplanten Wanderurlaub im Theth Nationalpark. Wir wandern viel und lang, genießen die wunderschöne Landschaft, finden auch den unpassierbaren Felsüberhang im Süden und genießen die Zeit. Die Wanderungen im Theth Nationalpark sind nicht ohne, gerade die oft langen Distanzen fordern Kraft, aber es ist möglich sich mit kleinen 4×4 Taxis über etliche Kilometer shutteln zu lassen, um schneller ans Ziel zu gelangen. Als wir dort sind, ist kaum etwas los, vielleicht sind wir dieses Jahr auch wirklich welche der ersten Touristen, die Restaurants haben überwiegend geschlossen (wir essen in unserer Boardküche, herrschaftlich gespeist haben wir ja erst), die Herbergen (vom Campingplatz bis zum Luxushotel alles dabei) richten gerade für die Saison her und die oft gewählte Wanderroute von Theth ins Valbonatal ist auf Grund der Schneemassen noch nicht möglich. Ein paar Motorradreisende animieren uns dazu unser Maschinchen auch ein bisschen im rauen Gelände zu bewegen, abgeladen ist sie ja schon. Zu Fuß gefällts uns aber definitiv besser und so endet unsere Reise wie sie angefangen hat, mit einer Wanderung zum „Blue Eye“, dieses Mal nur um das nördlich liegende. Konkrete Informationen zu dieser Quelle ersparen wir euch hier. Dieses „Blue Eye“ ist nicht mit einem Katzensprung aus dem Auto erreichbar. Von unserem Standplatz aus sind wir insgesamt 6 Stunden (mit Pausen) unterwegs, bis wir wieder am Fahrzeug sind. Schon nach wenigen Kilometern begegnen wir einem älteren Herrn in zu großen groben Cordhosen, Hemd und Pulli (internationales Outfit für ältere Herren?) der gerade seine Ziegen hütet. Selbstverständlich erzählt er uns viel uns lacht uns an. Da unser Albanisch nach fast 4 Wochen genauso gut ist wie vor fast 4 Wochen, verstehen wir gar nichts. All unsere Bemühungen zumindest die wichtigsten Wörter zu behalten, sind gescheitert. Er nimmt uns mit in eine wasserbetriebene Getreidemühle, zeigt uns alles genau und wir meinen zu verstehen, dass dieses Wasser aus dem „Blue Eye“ kommt. Wir kommen uns ein bisschen asiatisch vor als wir versuchen mit „Wow“-, „Ohhhh“- und „Aaaahaaa“-Lauten unsere Begeisterung und Dankbarkeit für diese kleine Führung zu zeigen.

Er lässt seine Ziegen allein und geht weiter mit uns mit, immer fleißig kommunizierend. Kurz vor einem Haus fragt er „Kafe?“. Ha, das versteh ich. Wir sind kurz hin und her gerissen, willigen dann aber ein. Er erklärt uns, wie genau wir über die kleinen Zäunchen in sein Grundstück klettern sollen und macht es mit seinen bestimmt 80 Jahren gekonnt vor. Auf dem Grundstück befindet sich im Garten ein großer Tisch, an dem wir Platz nehmen sollen. Schwiegertochter und die beiden Söhne sind etwas irritiert, als der Opa die zwei Touristen an den Tisch setzt. Es wird Kaffee, Wasser und der obligatorische Raki serviert. Guten Morgen in Albanien! Seine Söhne sprechen ein paar Brocken Englisch, sodass wir verstehen, dass die Mühle vom Vater erbaut wurde und die Familie im Winter in Shkodra lebt. Den Winter über leben laut Aussagen der Anwohner nur ca. 10 Personen im Dorf, das durch das ganze Tal zerstreut ist.

Die Söhne haben Angst vor Corona und entspannen sich als wir kommunizieren, dass wir da auf ihrer Seite sind und immer Abstand halten. Der alte Herr scheint wieder zu den Ziegen zu müssen und lässt uns mit seinen bedröppelten Söhnen am Tisch sitzen und kraxelt wieder über den Zaun. Die Unterhaltung war schon, dem geringen Vokabular beiderseits geschuldet, abgeebbt und wir verabschieden uns mit vielen Dankeschöns von der Familie. Wir kraxeln an der anderen Seite des Grundstücks über den Zaun und machen uns mit schweren Rakifüßen weiter auf zur Quelle. Die weitere Wanderung gestaltet sich sehr schön, ein spannender Wanderweg mit guter Breite und nur wenig ausgesetzten Stellen. Der letzte Abschnitt schürt noch ein bisschen Adrenalin. Wir begegnen unserem Empfinden nach ziemlich vielen Schlangen. Insgesamt sind es 4 Hornvipern, die sich am oder auf dem Weg befinden. Aber wir verstehen uns und so kommen wir gut am 2ten „Blue Eye“ unserer Reise an, genießen dort die Natur bevor wir uns langsam auf den Rückweg machen. Dort kommt uns nochmal der ältere Herr entgegen, im Schlepptau zwei Touristen mit hochroten Köpfen. Jeder von den dreien hält einen großen Büschel Zweige über seinen Kopf, wir vermuten Sonnenschutz. Erneut erzählt er uns munter, wir antworten mit „mire“ was gut bedeutet, wünschen den anderen beiden noch viel Spaß und ziehen weiter.

Damit schließen wir diese Albanienreise ab. Etwas später, gut erholt, verladen wir das kaputte Rad und das Motorrad und machen uns erneut auf den Weg über den Pass. Die starke Schneeschmelze hat die Straße stark ausgewaschen, teilweise ist etwas Geröll und Schnee von oben abgerutscht und die Bäume scheinen auch tiefer zu hängen. Wir brauchen wieder eine Pause nach der Passhöhe.

Geschafft und glücklich werden wir vor der Grenze noch unser letztes Bargeld los (in Albanien braucht man Bargeld), Sarah und Christian bekommen jeder ein großes Stück albanischen Käse, den sie so mögen und der Steyr einen großen Schluck Diesel. Und schon stehen wir mit einem kaputten Rad und einer deutlich stärker verkratzten Kabine wieder an einer Grenze. Good bye Albania!

Mit Abschluss dieses Berichtes ist uns auch klar, warum sich Albanien für uns, trotz der eigentlich einfachen Reisebedingungen, so anstrengend angefühlt hat.

Allein der für euch stark gekürzte Bericht hat fast 5.000 Wörter. Wir haben doch überraschend viel erlebt in dieser kurzen Zeit.

Wir müssen jetzt mal verarbeiten gehen!

Bis bald!

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