2021 – Weltreise Teil 13 – Montenegro

Wir kommen müde in Montenegro an. Die Erlebnisse der letzten Wochen wabern in unseren Köpfen, dauernd kommen neue Erinnerungen hoch und schreiben immer neue Geschichten. Ein neugieriger albanischer Grenzpolizist wollte noch einmal kurz in unser Haus schauen, um uns dann begeistert an der sich von der montenegrinischen Grenze zurück stauenden LKW-Schlange vorbeizulotsen. So stehen wir zur Einreise gleich auf der Poleposition der PKW-Spur. Die Grenzer unseres neuen Gastlands sind damit aber sehr zufrieden und schicken uns nicht zurück, um uns ganz hinten anzustellen. Aber uns wird verkündet, dass das System down ist. Die Wartezeit wird durch die richtig gut gelaunten Polizisten mit lustigen Tänzchen verkürzt und wir fühlen uns auf Anhieb wohl. Sowas ist eher selten der Fall im Grenzbereich. Trotz ihrer Ausgelassenheit machen sie einen ganz korrekten Job und beginnen sofort nach Systemstart motiviert mit der Abfertigung. Für uns stehen die nächsten Ziele fest. Wir wollen auf einen Campingplatz in der nähe der Hauptstadt Podgorica, um dort etwas zu entspannen und das kaputte Rad reparieren zu lassen. Podgorica liegt nur ca. 25 km hinter der Grenze, sodass wir bereits am späten Vormittag auf einem kleinen familiären Campingplatz hinter einem Apartmenthaus etwas außerhalb der Stadt eingeparkt haben.

Auf dem Weg konnten wir an einer Tankstelle bereits eine SIM-Karte erwerben und haben schon mehrere professionelle Reifenbuden für LKW´s entdeckt. Läuft! Aber jetzt wird erstmal relaxt! Wir werden herzlich empfangen, sogar auf Deutsch und die Mutter des Besitzers, selbst aus Liechtenstein, zeigt uns die Anlage. Für uns im Moment ein richtiges Juwel. Es gibt nur 5 Stellplätze, sehr schöne Sanitäranlagen mit Waschmaschine und Trockenmöglichkeit, einen Pool und dazu die sympatischen Besitzer, die bei allen Belangen unterstützen. Der Relaxtag vergeht wie im Flug! Wir halten erst noch ein äußerst nettes Schwätzchen mit unseren Nachbarn, die schon in der Abreisevorbereitung sind und hüpfen anschließend in den Pool! Im Anschluss geht es ins daneben liegende gute Restaurant, noch einmal in den Pool und schon ins Bett. Morgen werden wir das mit dem Reifen in Angriff nehmen.

Am nächsten Tag sind wir zur Betriebsöffnung in der gewählten Werkstatt, der Chef steht schon vor 8 Uhr an unserem Auto und befragt Christian in bestem Englisch über jegliches Detail unsers Steyrs. Er ist selbst „Offroad“-Fahrer und eben Chef dieser großen PKW- und LKW-Werkstatt, die auch alles was Reifen betrifft, draufhat.

Nach einer knappen Stunde ist der Reifen endlich von der Felge. Wir haben schon damit gerechnet, dass sich die festgebackenen Teile nicht so einfach voneinander trennen lassen und es deshalb gar nicht selbst versucht. Trotz professionellen Gerätschaften und routiniertem Vorgehen nimmt unsere Felge trotzdem Schaden. Letztlich ziehen die Jungs einen neuen Schlauch ein und bauen die verdengelte Felge wieder ein. Sie sind gar nicht glücklich mit ihrem Ergebnis und raten uns, das Rad nur noch als Ersatzrad zu fahren, nur schade, dass dieses Rad noch den besten Gummi hat. Wir findens auf den 2ten Blick gar nicht so schlecht und an einer langfristigen Lösung wird noch gefeilt, bedenke man, dass so ein Reifen + Felge bei ca. 1000€ liegt. Um kurz vor 10 Uhr rollen wir schon wieder vom Hof und fahren noch ein bisschen in die Innenstadt von Podgorica. Es ist Samstag und richtiger Trubel auf den Straßen. So viele Autos auf einem Haufen haben wir schon lange nicht mehr gesehen. Als wir feststellen, dass wir nichts so richtig aufnehmen und keinen richtigen Gefallen am Stadtbummeln finden, fahren wir zurück zum Campingplatz, um dort noch eine weitere Nacht zu verbringen.

Danach genießen wir so richtig das typische aber nicht konkret beschreibbare Sonntagsfeeling. Haben wir auch schon lange nicht mehr empfunden. Im Lockdown im Griechenland war alle irgendwie durcheinander, mal so mal so, in Albanien gibt es gar keinen Ruhetag. Um so mehr genießen wir es jetzt. Ziehen uns an den Rand des Skutarisees zurück und verbringen bei regnerischem Wetter einen Couchnachmittag vor der Glotze.

Uns bleiben jetzt noch zwei Wochen in Montenegro, bevor es für uns für den Heimaturlaub 2.0 nach Deutschland geht. Obwohl wir immer wieder feststellen, dass unsere Festplatten voll sind und unsere Gehirne jetzt wieder den Zeitpunkt erreicht haben, dass sie eine kleine Reisepause brauchen, um das ganze Erlebte zu verarbeiten, wollen wir noch ein bisschen was von Montenegro mitbekommen. Montenegro ist hervorragend touristisch erschlossen, was einerseits den Vorteil bietet, dass es z.B. kostenlose Informationsbroschüren und eine schöne Internetseite gibt die u. A. Aktivitäten auch die verschiedenen Panoramastraßen, deren Schilder wir bereits auf der Fahrt gesehen haben, detailliert beschreibt. Nachteil an der touristischen Erschlossenheit, die gesamte Küste entlang findet man Massentourismus und „Wildcampen“ ist natürlich nicht erlaubt. Aber das ist ja auch ok und nur selten kommt man sich vor, wie bei einem marokkanischen Teppichhändler. Noch ist Vorsaison und wenig Touristen im Land, so entscheiden wir uns für die Panoramastraße 3, „Die Berge und das Meer“, die von Ulcinj, ganz im Süden Montenegros, fast an der albanischen Grenze bis nach Herceg Novi, kurz vor der kroatischen Grenze, führt. Die Straße macht von der Küste aus immer wieder schöne Abstecher in die anliegenden Berge.

Wir besichtigen einige schöne Küstenstädtchen, Stari Bar, die alte Stadt von Bar, die wegen immer wieder kehrender Erbeben nun eine interessante Ruinenstadt ist und die neue Stadt Bar etwas unterhalb am Meer erbaut wurde.

Seinem Namen „Montenegro“ also „Schwarzer Berg“ wird das Land langsam gerecht als die Straße uns nach Cetinje führt, der ehemaligen Hauptstadt, die in den Bergen liegt, von dort aus geht es in den Lovćen Nationalpark zum Mausoleum of Petar II Petrovic-Njegos. Dort leisten wir eine hervorragenden Einparkleistung, sonst aber nichts. Die von dort Richtung Bucht von Kotor führende Strecke sieht auf Google ganz schön klein aus, noch dazu beinhaltet sie 25 enge Serpentinen. Es heißt im Führer, die Straße führt ins alte Montenegro hinauf und wäre für Wohnmobile über 7 m Länge und 2,3 m Breite, machbar. Wir fahren die Kotor Serpentinen hinunter. Der Pass, der die ersten Kilometer noch hervorragend ausgebaut ist, wird dann zur besagten alten Straße. Mit einer unbeschreiblichen Aussicht über die Bucht von Kotor schlängeln wir uns den schmalen Weg hinunter.

Wir sind uns einig. Eine Straße mit solch einer atemberaubend schönen Sicht sind wir noch nicht gefahren, oder wir können uns gerade daran nicht erinnern. Letztlich sind wir aber ganz dankbar, dass unser Wohnmobil nicht viel länger als 7 m ist und uns auch kein anders entgegenkam. Die Straße ist schon schmal, PKWs vorbeizulassen meist kein Problem aber ein Concorde passt definitiv nicht in die meisten Ausweichlücken. Kurz vor Kotor finden wir auf einer Anhöhe einen schönen Platz, an einer alten Festung im Verfall, die von Einheimischen, und Touristen, abends zum Sonnenuntergangschauen und Partymachen genutzt wird. Angeblich die beste Aussicht des Balkans öffnet sich uns hier.

Hier können wir ein paar Tage bleiben!

Wir beobachten das Spektakel, wie um 18 Uhr ein Bus voller Gäste abgeladen wird und nach Musik, Alkohol und Sonnenuntergang, gegen 21 Uhr wieder abtransportiert wird und wir beginnen damit unsere verderblichen Lebensmittel aufzuessen. So genießen wir jeden Abend mit Musik, gehen jedoch stets, nach einem wunderschönen Sonnenuntergang bei beeindruckender Aussicht, früh ins Bett.

Unser nächstes Aufbrechen führt uns nur zu einem kleinen schnellen Einkauf um noch etwas frisches Gemüse und Obst für die kommenden Tage zu besorgen, um im Anschluss schon den nächsten schönen Standplatz für länger anzufahren. Erstaunlich gut klappt die lange 4×4-Anfahrt (welche wirklich starke Verschränkung fordert) zum gewünschten Platz am Meer. Montenegros Bäume meinten es bisher sehr gut mit uns und so gelangen wir an einen ziemlich einsamen Platz mit drei hohen, schattenspendenden Bäumen und Meerzugang. Die Zufahrt geht die ganze Zeit bergab und ist so schweres Gelände, dass wir ziemlich sicher allein bleiben…

Delphine könne man von hier aus beobachten. Wir sind gespannt, ob wir das auch noch erleben dürfen. Eigentlich wollten wir ja nur übers Wochenende hierbleiben, aber der rote Sand unter unseren Füßen, der uns an Afrika erinnert, die umgebende Stille und der schöne felsige Strand mit klarem Wasser fesseln uns. Wir genießen die Routinen des Alltags mit gelegentlichen Badegängen oder warmen Meerwasserduschen vor der der Haustür. Und kochen auch mal wieder kreativ. Plötzlich bekommen wir Gesellschaft. Es taucht ein kroatisches Paar im VW-Bus! auf. Christian zweifelt bereits an unserer Urteilsfähigkeit bzgl. der „Offroadstrecke“. Als er erfährt, dass der VW-Bus nicht mal Allradantrieb hat, denkt er schon über einen Verkauf des Steyr nach. Am nächsten Tag brechen die Zwei auf, um weiter zu fahren. Sie kommen ca. einen Meter den Berg hinauf und mit lautem Motorgeheul, Krachen und quietschenden Reifen hängt der T4 schief im Gelände. Also werfen wir den Steyr an und schleppen die beiden mit ihrem VW-Bus wieder nach oben, durch die gesamte Offroadpassage.

Nach der Abschleppaktion treten wir sofort wieder den Rückweg an, die Aussicht etwas anders ausgerichtet, sodass auch bestmögliches Entdecken von Delphinen aus dem Wohnzimmer möglich ist und genießen weiter.

Wir sind dankbar, wie schön dieser Reiseabschnitt bisher für uns ausklingt. Auch unser Hausrat erweitert sich wieder von selbst. Nachdem wir bereits hin- und wieder ein Teil davon irgendwo liegenlassen haben, finden wir auch immer wieder gut brauchbare Dinge, die andere Leute vergessen. Hier freuen wir uns über 3 reisetaugliche Grillwurstspieße, einer davon sogar mit Teleskopauszug. Die werden gleich am Lagerfeuer ausgiebig getestet, haben wir in weiser Voraussicht Würstel mit eingekauft. Und vielleicht würden sich die ehemaligen Besitzer freuen zu wissen, dass ihre Spießchen nicht als Müll irgendwo rumliegen, sondern neue Eigentümer gefunden haben, die sich sehr darüber freuen.

Die letzten Tage in Montenegro verbringen wir in einem kleinen Apartment am Meer und bereisen den Rest der Bucht von Kotor zu Fuß oder mit dem Bus.

Auch hier ist das Wasser schön und lädt zum Baden ein, wenn auch die stark zu gebauten Strände nicht unser Ding sind. Überall wird gestrichen, gehämmert und vor allem gekärchert. Ein Dampfstrahler scheint derzeit das Lieblingsutensil aller Anwohner zu sein. Alle bereiten sich auf die kommende Saison vor und von Tag zu Tag hat mehr geöffnet. In den Restaurants und am Strand trifft man nur auf vereinzelte Gäste und noch ist es auch möglich einen kostenlosen Liegeplatz zu ergattern. In den großen Jachthäfen kommen schon die ersten Luxuskähne angeschippert und in den dazugehörigen Ressorts beginnt das Flanieren. Portonovi empfängt uns mit der eigenen Blaskapelle, die gerade die Portonovi Regatta eröffnet.

Wir sind noch ein bisschen beschäftigt mit Packen und Steyr putzen, der rote Sand unseres letzten Stellplatzes hat seine Spuren hinterlassen. Schneller als gedacht geht die Zeit bei unseren herzlichen Gastgebern vorbei und für uns steht die kurze Fahrt zum Flughafen Dubrovnik an. Mit negativem PCR-Test und großer Vorfreude auf Familie und Freunde im Gepäck läuft die Einreise in die EU unkompliziert. Der Steyr wird geparkt, der macht in Kroatien Urlaub, denn dieses Mal geht’s für uns per Flugzeug in den Heimaturlaub 2.0.

Wir sind dann mal im Urlaub! Bis dann!

P.s. Delphine haben wir nicht gesehen.

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