2021 – Weltreise Teil 15 – Bosnien Herzegowina

Nach unserem Kroatien Urlaub (mit vielen vielen anderen Urlaubern) geht’s weiter, jetzt nach Bosnien Herzegowina. Wir entscheiden uns für einen ziemlich kleinen Grenzübergang in den Bergen, da die kleinen Stationen unserer Erfahrung nach schnell, korrekt und angenehm arbeiten. Nach erfolgter Prozedur eröffnet sich uns ein traumhafter Blick aus den bosnischen Bergen in weite Täler. Wir sind überrascht, hatten wir diese Landschaft hier nicht erwartet.

Überrascht sind wir auch von der tollen neuen Straße und den ganzen deutschen Autos (min. 60% aller Autos, meistens mit Frankfurter oder Münchner Nummernschild). Wir wundern uns noch, dass hier doch viel mehr deutsche Urlauber sind, als wir dachten, wie wir später erfahren sind es jedoch fast ausnahmslos Bosnier, die in Deutschland leben und arbeiten und nun ihre Familie besuchen.

Wir steuern die erste große Stadt, Livno, an, um unsere Vorräte aufzufüllen, mobiles Internet zu erwerben und das bosnische urbane Leben kennenzulernen. Hier gefällt es uns ziemlich gut, es gibt alles was das Herz begehrt. Die Leute sind megafreundlich und das Essen ausgesprochen lecker (und günstig).

Für den Abend suchen wir Ruhe und schöne Aussicht, sodass wir einen großen See ansteuern und Offroad durch brachliegendes Land durch verlassene Ruinen fahren. Eine gespenstische Szenerie, aber ein toller Platz für die Nacht. Und so ruhig!

Bis kurze Zeit später eine bosnische Familie neben uns auftaucht und uns in perfektem deutsch fragt, ob wir uns verirrt hätten. Nach unserer Antwort, dass wir uns Bosnien anschauen wollen, sind sie aus dem Häuschen vor Freude und geben uns wertvolle Tips, bieten uns Hilfe an und laden uns für den nächsten Tag in ihr Haus ein. Nachdem wieder Ruhe eingekehrt ist, wollen wir uns aufmachen, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen, aber nix da: Plötzlich brettern zwei Motocrosser heran, begrüßen uns (natürlich auf deutsch) und wir unterhalten uns angeregt über Offroadfahrten, Bosnien und den Balkan.

Auch sie wollen auf keinen Fall aufdringlich sein und verabschieden sich bald wieder. Und so können wir langsam aber sicher in Zweisamkeit die ersten bosnischen Eindrücke verarbeiten.

Weiter geht es Richtung Süden. Da Bosnien Herzegowina eines der am stärksten verminten Gebiete der Welt ist, vermeiden wir ausgiebige Offroadabstecher (und Wanderungen, welche nicht offiziell und aktuell markiert sind), fahren aber auf Nebenstrecken nach Mostar. Auch auf den abgelegensten Bauernhöfen stehen immer wieder deutsche Fahrzeuge.

Die Stadt Mostar wurde vom Krieg in den 90er Jahren stark getroffen. Überall sind die Zerstörungen allgegenwärtig und die Friedhöfe sind voll mit Gräbern, alle zur selben Zeit angelegt. Es ist ein bedrückendes Gefühl zu sehen, dass all das noch nicht lange her ist. Toll ist, was die Menschen draus gemacht haben: Die alten Kriegsruinen sind mit einzigartigen Kunstwerken zweckentfremdet worden, die Altstadt ist wunderschön wieder aufgebaut und der Tourismus in Mostar floriert. Wir laufen durch moderne Einkaufsstraßen und -passagen, genießen das Chillen in Cafés und schauen den Menschen beim Leben zu.

Mostar ist umgeben von hohen Bergen und nicht weit davon entfernt, finden wir ein sehr entspannt geführtes „Ecocamp“, einen Ort mitten in den Bergen, am Fuße unzähliger Kletterrouten und eines Klettersteigs, mit sympathischen Leuten und allem, was man zum Leben braucht. Hier verbringen wir einige Tage mit klettern, wandern und Restaurantbesuchen an einem nahen „blauen Auge“ (eines der vielen Blue Eyes, also Kaltwasserquellen, die wir auf dem Balkan besucht haben).

Und noch etwas gibt es im Ecocamp viel: Tiere! Angefangen von Blagaj-Eseln über eine Geieraufzucht bis hin zu ganz vielen netten Hunden. Balu (wie wir den großen Hirtenhund genannt haben, der kein Hirtenhund mehr sein will und sich deshalb beim Ecocamp einquartiert hat) ist immer dabei. Anfänglich stand er plötzlich mitten im Steyr um seine Neugierde zu stillen, was sich in der hohen Kiste wohl verbirgt. Bisher stellte die hohe Treppe immer eine Barriere für alle Tiere dar, nur Moses (mutiger Kater aus Griechenland/Petsitting) musste natürlich auch mit reinschauen. Später begleitet uns Balu und seine Crew nicht nur bis zu den Kletterrouten sondern auch bis in das nahe gelegene touristische Zentrum… Wir hatten ein bisschen Bammel, dass sie, wie schon andere temporäre Begleiter, nicht nur beschlossen haben, so zu tun, als würden sie zu uns gehören, sondern uns auch in das angepeilte Restaurant begleiten. Versuche sie zu stoppen gelingen nicht. Eine Reisegruppe gibt uns die Möglichkeit schnell auf die Terrasse des Restaurants zu schlüpfen, natürlich hat die Truppe uns gesehen. Kurz angetäuscht, biegen Balu, die kleinen Wilden und die von einer anderen Touristin liebevoll genannte Vogelscheuche links über die Brücke mitten ins Touristengetummel ab. Scheinbar sind sie hier schon bekannt… Ein Wunder, dass wir keinen adoptiert haben… Aber dafür hat Sarah jetzt immer etwas Hundefutter im Vorrat, für den Notfall 😉.

Weiter geht’s in Richtung der Hauptstadt, Sarajevo. Auf dem Weg dorthin durchfahren und durchstreifen wir viel Natur. Alles ist hier ziemlich bergig, aber überall sind hübsche kleine Dörfer mit schönen Häusern. Kriegsspuren findet man nur, wenn man danach sucht.

In Sarajewo beziehen wir etwas außerhalb auf einem Campingplatz überhalb der Stadt unser Quartier. Hier können wir easy, ohne das Fahrzeug zu benutzen, in die Stadt laufen… dachten wir. Laufen können wir schon, es ist jedoch steiler als eine Skipiste mehrere hundert Höhenmeter hinunter und auch wieder hinauf. Der Altstadtkern ist sehr schön und vor allem orientalisch geprägt, was uns in Kombination mit den schönen Moscheen staunen lässt.

Der Rest der Stadt haut uns nicht vom Hocker und so fahren wir auch nach zwei Tagen in Sarajevo weiter. Das nächste Land wartet bereits.

Serbien blicken wir mit gemischten Gefühlen entgegen. Das Land soll sehr schön sein, wir haben jedoch von mehreren Parteien aus erster Hand gehört, dass sie an der Grenze große Probleme hatten. Deshalb informieren wir uns noch genauer als sonst, was nach Serbien eingeführt werden darf und was nicht. Wir kommen zu dem Schluss, dass wir unsere Alkoholvorräte noch minimieren und den Benzinkanister vom Motorrad leer bekommen müssen. Außerdem müssen wir alle Messer mit mehr als 4cm Klingenlänge, als auch unsere Holzaxt, gut verstauen. Das Benzin verschenken wir schließlich an andere Reisende, zum Dank haben wir dann jedoch Bier vor der Tür stehen. Super, jetzt müssen wir noch mehr Alkohol trinken…

Trotz des selbstlosen Einsatzes, keinen Alkohol vernichten zu müssen, schaffen wir es am nächsten Morgen pünktlich aufzustehen und zur serbischen Grenze zu fahren. Gespannt sind wir jetzt schon!

Insgesamt hat uns Bosnien-Herzegowina überrascht! Ohne das Land zu kennen, hat man ein jugoslawisches, vom Krieg gebeuteltes Land vor Augen, mit allen dazugehörigen Klischees. Wir haben ein modernes, wunderschönes, multikulturelles Land erlebt, in dem fröhliche, offene und vorwärts gerichtete Menschen leben. Wir wurden überall herzlichst begrüßt, haben uns nie unsicher gefühlt (bis auf die Minen) und haben die Zeit dort sehr genossen. Wir werden sicher wiederkommen!

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