2021 – Weltreise Teil 17 – Rumänien

Wunderschönes Rumänien. Irgendwie schon immer in unseren Hinterköpfen gespeichert, geht es endlich nach Rumänien. Fast hatten wir entschieden wieder südwärts aufzubrechen und uns dann doch zu einer großen Balkantour durchgerungen. Noch in Serbien recherchieren wir über unser nächstes Zielland und haben schnell eine Menge auf unserer Möglichkeitenliste. Bei einem Blick auf die Karte wird klar, dass uns unsere nächste Tour quer durchs Land führen wird. Wir legen jeder fest, was wir auf jeden Fall sehen/machen möchten und so ergibt sich eine etwas chaotische Rundfahrt, die im Osten des Landes oberhalb des Eisernen Tors (engste Stelle der Donau/Donaudurchbruch) an der Grenze zu Serbien starten soll und nach Kreuz- und Quergefahrerei, entlang der Schwarzmeerküste nach Bulgarien führen wird.

So reisen wir nach über 400 Tagen Nomadenleben mal wieder in die EU ein, vor einem Jahr waren wir noch in Helsinki. Die Belegschaft der rumänischen Grenze, Polizei und Zoll, ist äußerst gut gelaunt und sehr sehr interessiert am Fahrzeug. Allemann erwarten eine Führung und Erklärung zu unserem Zuhause. Wir hingegen bekommen noch eine Einweisung in alle geltenden Verkehrs- und Verhaltensregeln in Rumänien, eine Liste über zig Sehenswürdigkeiten, die wir unbedingt besuchen sollen und das beste Bier Rumäniens empfohlen. Puh… jetzt sind wir gerüstet.

Wir fahren an den nächsten kleinen Fluss und gehen erstmal off.

So viele Gespräche mit Einheimischen, zum Teil über hochkomplexe geschichtliche Ereignisse, politische Zusammenhänge, Familien- und Lebensgeschichten, gepaart mit äußerst viel Sightseeing und verhältnismäßig vielen Grenzübertritten. Nicht zu vergessen, die zahlreichen interessierten Urlauber und ihre zahlreichen Fragen. Wir wissen zum Teil gar nicht mehr, wo wir was erlebt haben und schon gar nicht mehr wann. Fest steht… je urbaner… umso anstrengender für uns. Aber Spaß hats gemacht!

Für die nächsten Wochen steht jedenfalls erstmal keine Stadtbesichtigung und kein Campingplatz auf dem Plan. Am Fluss ist es gleich wunderschön und ruhig. Uns besucht 2-mal die Grenzpolizei, um nach dem Rechten zu sehen, ein kurzer Plausch und sie müssen wieder los. Auch der ansässige Hirte lässt sich mal sehen. Sonst verbringen wir die Zeit damit die Geschichten in unseren Köpfen zu sortieren und zu verdauen, die monatliche Abrechnung ist fällig, einiges an Alltagsdingen ist ebenfalls seit unserem Deutschlandaufenthalt liegen geblieben, Post wird bearbeitet und viel geschwiegen. Wir sind begeistert jeden Tag einen Eisvogel, der sich wild in den Fluss wirft und die Reiher beim Fischen beobachten zu können. Eine „Offroader“-Gruppe auf Quads macht uns richtig sauer, als sie einfach in dieses kleine Paradies fährt, um dort eine Runde im Wasser zu drehen. ???

Wir müssen einkaufen. Also brechen wir auf, es ist Wochenende und noch Ferienzeit, wir kommen an vielen rumänischen Familien vorbei, die ihre Lager für ein Angelwochenende an der Donau aufgeschlagen haben. Überall ist leben. Egal wie alt, wie jung, wie krank, jeder ist dabei. Und alle winken uns begeistert zu. Anbei, Wildcampen ist in Rumänien fast überall erlaubt. In der nächsten Stadt machen wir den Kühlschrank wieder voll, heben etwas Bargeld ab, tanken Diesel und Trinkwasser und verschwinden wieder in der Natur. Besuchen wie geplant das Eiserne Tor, machen kleine Wanderungen und besichtigen eine große Höhle, die noch nicht touristisch erschlossen ist, aber viel von Einheimischen besucht wird und uns mächtig Respekt einflößt. Bären gibt es hier in dieser Region laut Polizei noch keine, aber schon bei einem Schrei eines Fuchses stellen sich unsere Nackenhaare auf (die Höhle ist 1,5km lang und natürlich stockdunkel).

Von der engsten Stelle der Donau geht es über die Transalpina ins Landesinnere. Auf über 2000 hm finden wir einen perfekten Platz, um endlich unsere Räder zu wechseln.

Unsere kleine Werkstadt auf dem schönen Hochplateau arbeitet perfekt und endlich ist das Ersatzrad wieder da, wo es hingehört und die anderen Reifen über Kreuz getauscht. Da das Motorrad auch seine Bewegung braucht und die Batterie eh schwächelt, entscheiden wir, den Rest der Strecke getrennt zu fahren. Fast hätte Sarah vergessen, wie schön Motorradfahren sein kann und fast auch wie kalt es auf 2000 hm sein kann.

Wir sind weiter auf dem Weg Richtung Norden, Christians Wunsch, das Salzbergwerk dort zu besichtigen. Wir nehmen eine kleine Nebenstrecke, es ist das letzte Ferienwochenende, das wollen wir vor unserem Besuch in der Grotte noch in der Natur aussitzen. Die Nebenstrecke entpuppt sich als traumhaft. Wir befinden uns in den Ausläufern der Westkarpaten. Kleine, wunderschön gepflegte Häuschen mit tollen Blumengärten und sehr alten Obst- und Gemüsegärten. An einem Trinkbrunnen eines Dorfes halten wir an, um unsere Reserven wieder aufzufüllen, gleich empfehlen uns die Einwohner ihr besonders gutes Wasser und wir fühlen uns so herzlich willkommen. Wir sind stolz mit den paar Brocken Rumänisch die wir schon gelernt haben, fast eine richtige Unterhaltung führen zu können. Als wir auf dem für unser nächstes Lager über Satellitenbilder rausgesuchten Ort ankommen, landen wir in einem winzigen Dorf, indem es nur so wuselt. Wir wundern uns. Ja es ist Sonntag, aber so viele rumänische und ungarische Touristen? Am Marktplatz gibt es Baumstriezel XXL, Làngos, Souvenirläden, usw. Nachdem wir unser Camp zusammen mit ein paar Jugendlichen aus Polen auf der Wiese gegenüber der Bergwachthütte bezogen haben, beginnt unsere Recherche. Ergebnis: Wir sind in Rimetea, UNESCO Weltkulturerbe, Wander- und Klettergebiet, die hinter uns thronende Piatra Secuiului lädt uns zu einer Tour ein.

Da unsere Motivation für regelmäßiges Training die letzten Reisemonate ziemlich eingeschlafen ist, bietet diese Tatsache eine gute Möglichkeit für eine Ausdauereinheit. Gut wars, anstrengend und steil auch. Das Wochenende ist vorbei, die Sommerferien auch, Rimetea ruht.

Auf dem Weg nach Turda kommen wir aber noch an zwei Schluchten vorbei, welche unserer aktuell noch vorherrschenden Abneigung gegen trubelige Städte sehr gelegen kommen. Bis auf das kleine Rimetea haben wir bisher keinerlei Stadtbesichtigungen in Rumänien hinbekommen. Sicherlich wäre Sehenswertes und geschichtlich Interessantes dabei gewesen. Wir verbringen also hier noch ein paar Tage (Cheile Turzii / Cheile Tureniului) mit Waldbaden, das Meer ist ja noch so weit weg.

Wir sind nicht ganz allein. Eines Nachmittages kommt ein einseitig gelähmter älterer Herr fröhlich gestimmt durchs Gebüsch neben unserem Auto gebrochen. Wir sind etwas verwundert wohin des Weges. Zielstrebig steuert er die gegenüberliegende kleine, wunderschöne Brücke an, wirft davor seine Gehstütze ins Gras und kraxelt hinüber.

Dann schleppt er einen großen Ast umher und als es zu regnen beginnt ist er verschwunden aber seine Krücke noch immer da. Wir sind gerade dabei uns auf den Weg zu machen, um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist als noch vier weitere eingeschränkt bewegliche ältere Menschen durchs Dickicht kommen. Wir ziehen uns in den trocken Steyr zurück, sind aber schon ziemlich neugierig was sich da hinter der Brücke im Wald wohl befinden mag. Am nächsten Morgen schauen wir dann nach. Und was wir finden seht ihr hier.

Auch die darauffolgenden Nachmittage kommen die älteren Herrschaften zusammen und haben sichtlich Spaß in ihrem kleinen Waldlager. Aber bald machen wir uns auf den Weg, der Herbst kündigt sich schon an, es wird kühl, man riecht und sieht ihn.

Gut gebadet geht es dann wieder rein ins volle Touristenleben. Wir kommen in Turda an und nach einem Besuch in der äußerst beeindruckenden Salina Turda geht’s gleich weiter nach Sibiu/Herrmannstadt.

Gegen Abend wollen wir noch einen klitzekleinen Abendspaziergang machen, finden uns jedoch 6km später in der wunderschönen Altstadt und im Zentrum, der 2007 zur Kulturhauptstadt Europas gekürten Stadt, wieder. Nicht zu viel versprochen. Obwohl die Sommerferien vorbei sind, keine ausländischen Touristen erkennbar und es Donnerstagabend ist, lebt die Stadt. Es findet ein Beachvolleyballturnier statt und einen Platz weiter ein Rockkonzert. Wir setzen uns auf die Terrasse einer der gut gefüllten Bars und genießen.

Zurück nach Hause soll es dann mit dem E-Scooter gehen, leider erwischen wir den falschen Anbieter, dessen Gebiet, nicht wie das anderer Anbieter, bis zu unserem Haus geht. So müssen wir wieder ein gutes Stück zurückfahren und trotzdem laufen :-D. Nach einem weiteren Tag in Sibiu, den wir mit Spazieren im angrenzenden großen Park mit Zoo und Nationalmuseum, Wäschewaschen im Waschsalon und Einkaufen in einem riesigen Einkaufspark verbringen, brechen wir wieder auf in die Karpaten, es geht Richtung Transfaragasan.

Durch die Großzahl der hier lebenden Bären kann man sie nachts gut hören, besonders dann, wenn Hirtenhunde ihre Herde gegen die Raubtieren verteidigen. Erstmal können wir aber trotz Bärenkotfährte kein Tier aus unserem Beobachtungsstützpunkt entdecken, nur eine Menge Wünschelrutengänger, die bestrebt auf der Suche nach dem besten Instashoot sind. Und dann ist es zu dunkel. Bei der südlichen Abfahrt stehen sie dann plötzlich auf der Straße. Die hier schon merklich an den Menschen gewöhnten Tiere spazieren umher und warten vermutlich auf Futter. Nachdenklich verlassen wir das Gebiet.

Wir fahren so dahin, Richtung Süden, es wird Mais geerntet, voll beladene LKWS und noch voller beladene Pferdekarren sind überall auf den Straßen und irgendwann landen wir in Bukarest. Für 2 Tage quartieren wir uns wieder am Park ein. An der Stadt an sich finden wir keinen großen Gefallen, allerdings genießen wir das Leben im Park umso mehr. Viele einladende, gutgepflegte Sportanlagen und eine Art Freizeitpark befinden sich auf dem Gelände. Die Angebote werden gut genutzt, auch die Polizei trainiert hier und bereits um 5 Uhr morgens geht auf der Tennisanlage neben uns das Flutlicht an und die Spiele, die bis spät in die Nacht dauern, beginnen.

Jetzt fahren wir ostwärts. Gefühlt gleich in die Ukraine. Mit anstrengend schneller Geschwindigkeit auf 2 spuriger, 4 spurig genutzter Straße schwimmen wir mit der LKW Kolone mit, bis wir einfach mal links abbiegen. Kleine, ruhige Straßen führen uns erneut durch liebevoll gestaltete Orte und letztlich offroad in ein hügeliges Land bei Berca, wo ein Erdölabbaugebiet liegt. Dort besichtigen wir noch die dort liegenden Schlammvulkane und beschließen dann, dass wir jetzt ans Meer fahren. Uns ists einfach schon zu kalt :-).

Wir müssen noch einmal kostenpflichtig die Donau überqueren und schon sind wir da. Wir verbringen noch einige schöne, ruhige Tage am Meer.

Wir kommen mal wieder dazu ein Buch zu lesen, etwas Gitarre zu üben und das ein oder andere längere Telefonat zu führen. Eigentlich sollte der Steyr schon längst wieder einmal Fett zur Pflege seiner Gelenke bekommen. Leider ist das Fett fast leer und die Fettpresse hat ihre besten Jahre auch schon hinter sich. Wir steuern Konstanza, eine große Hafenstadt an, in der es auch LKW-Zubehör-Geschäfte gibt. Aber schon im ersten Baumarkt haben wir Erfolg. Ein Verkäufer versteht trotz unserem Bröckelrumänisch schnell was wir brauchen und zeigt uns wo wir das gute Stück finden, sowie eine breite Auswahl der benötigten Schmiermittel, dazu gibts eine komplette Systemeinweisung. Wir nutzen den Stadtaufenthalt für einen weiteren Lebensmitteleinkauf und eine schnelle Waschmaschine bevor wir sie über eine der etwas speziellen Stadttangenten verlassen.

Hierzu muss man sagen, dass der Verkehr in Rumänien unserem Empfinden nach ziemlich ordentlich und entspannt ist. Es fällt eher defensives und äußerst regelkonformes Fahren auf, als die seltenen Hochgeschwindigkeitspisten deren Zustand und Art des Befahrens wahrscheinlich dem schweren Transitverkehr geschuldet sind. Aber der Autobahnausbau läuft. Kommt man allerdings so entspannt in eine der größeren Städte gerollt kanns schon mal… ja… speziell werden. Plötzlich gibt es 8-spurige Straßen, aber nur eine Spur führt zu deinem Ziel. Mindestes eine davon wird als Parkstreifen genutzt und man muss mit aller Art Fahrzeugen rechnen. Denn auch die E-Roller Fahrer und Pferdekutschen müssen ans Ziel. Während sich 40 Tonner über Kreuzungen schieben und gleichzeitig E-Roller links abbiegen, werden gerade rechts die Pferdekarren geparkt und ein Mofa schießt rechts im toten Winkel an dir vorbei. Aber immer noch alles ziemlich regelkonform, jeder in seiner Spur und mit wenig Gehupe.

Erfordert etwas mehr Aufmerksamkeit so eine Stadtrundfahrt.

Hinzuzufügen ist die große Liebe für Kreisverkehre in verschiedensten Ausführungen und Sinnhaftigkeiten und einer Menge 3,5 Tonnen Begrenzungen, welche aber nicht so eng genommen werden, wie die restlichen Regeln. Sie sind einfach plötzlich da und stehen oft an Stellen, an denen die einzige Möglichkeit wäre, sich daran zu halten, kilometerweise rückwärts zu rangieren. Keine Frage was das bedeutet. Keiner der zahlreichen Ü3,5t möchte ein riesiges Verkehrschaos auslösen. Ein 3,5 t Schild zwingt uns aber doch zum Umdrehen. Es hängt an einer kleinen, maroden, sehr hohen Brücke im Nirgendwo auf die wir uns wahrscheinlich auch ohne Schild nicht gewagt hätten.

Vielen Dank Rumänen, für diese wunderbare Zeit!

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