2022 – Weltreise Teil 20 – Türkei

Nach einiger Zeit kommt nun der Türkei Bericht… Wir waren hier knapp drei Monate und eines lässt sich vorweg nehmen: Die Türkei ist eines der besten Länder, in denen wir bisher waren, sofern man sich von den klassischen Urlaubsdestinationen fernhält. Aufgrund der Vielzahl an Erlebnissen und der Dauer des Aufenthalts können wir nur einige wenige Sachen hier beschreiben.

Wir starten unser Orientabenteuer um den Jahreswechsel 2021/2022 in Nordgriechenland mit dem Ziel, erst im Januar einzureisen, um Stress und Kulturschock an Silvester zu vermeiden.

Am Ende konnten wir es dann doch nicht erwarten und verbrachten die Neujahrs-Feierlichkeiten am Bosporus in Istanbul. Und es war atemberaubend; aber völlig anders als gedacht. Unsere Base schlugen wir mitten im Zentrum Istanbuls auf, nachdem wir ca. eine Tagesreise benötigten, um aus den Randbezirken überhaupt ins Zentrum zu gelangen. Wir genossen das orientalische Treiben und den völlig normalen Mix der Kulturen (viele Migranten nutzen Istanbul als Zwischenstation), besichtigten natürlich die großen Sehenswürdigkeiten, erfreuten uns aber vielmehr am normalen Leben abseits der Hotspots. Unser erster türkischer Sitzimbiss mit allen Leckereien der lokalen Küche gefiel uns so gut, dass wir ihn für die nächsten Tag zu unserem „Stammlokal“ festlegten (am Rande: wir waren dort aufgrund der Vielzahl der Möglichkeiten nie wieder :-D). Auf Empfehlung eines deutschsprachigen Cafébesitzers in unserem Alter besuchten wir die neugebaute Hafencity und waren überwältigt vom Kontrast aus alten kleinen Gassen und den dazugehörigen Läden aus denen wir gerade kamen und der hypermodernen Hafencity, welche auch ein Teil von Oslo oder anderen modernen Zentren sein könnte. Immer völlig überrascht waren wir von der Unaufdringlichkeit der Händler und der Ruhe ausstrahlenden Bevölkerung. Natürlich überquerten wir auch mehrmals den Bosporus mit den typischen Istanbuler Fähren und wechselten zwischen Europa und Asien. Für deutsche Verhältnisse waren sowohl der Nahverkehr zu Land und zu Wasser, als auch alle anderen Sachen außergewöhnlich günstig, sieht man einmal von so exquisiten Sachen wie Restaurants auf der Galatabrücke ab.

Wir verließen Istanbul nach ein paar Tagen und waren vorher schon sehr gespannt, wie es wohl werden würde, mit einem LKW mitten durchs Zentrum, über die Galatabrücke und entlang der meisten Sehenswürdigkeiten zu fahren. Während der Fahrt waren wir beide die ganze Zeit aufgeregt, wann unserem verrückten Treiben ein Ende durch zu tiefe Brücken, zu schmale Gassen oder gar die Polizei gesetzt werden würde. Aber nichts trat ein und wir fuhren völlig unbehelligt Richtung Asien. Wir nahmen sogar eine der beiden großen Bosporusbrücken, welche für alles außer PKW gesperrt ist und fuhren, in die andere Richtung schauend, an der Polizei vorbei. By the way: Die türkische Polizei war immer unglaublich freundlich, hilfsbereit gut ausgerüstet und jederzeit zu Späßen aufgelegt.

Das Verlassen der Megacity Istanbul mit ihren Vororten nimmt nichts desto trotz wieder einen ganzen Tag in Anspruch. Mit etlichen Zwischenstationen orientieren wir uns südwärts, um etwas wärmere Temperaturen zu erhaschen. Ein Zwischenziel ist Selcuk, der Ort in dem jährlich das größte und bekannteste Kamelringen-Festival stattfindet. Wir wohnen derweil am Strand (von dem wir mal wieder Autofahrer aus dem Sand ziehen müssen, die sich und ihr Fahrzeug offroadtechnisch überschätzt haben) und spazieren zu Fuß zum Festival. Wir sind typisch deutsch eine Stunde vor Beginn der Kämpfe in der Arena, damit wir eine gute Sicht erhaschen können. Doch was uns hier erwartet verschlägt uns den Atem: Die Arena ist mit tausenden Menschen, Rauch, Grilldüften und lauter Musik aus verschiedenen Quellen geflutet. Es sieht aus, als wären alle schon seit Tagen am Feiern. Ganze Familien haben Tische, Stühle, Grills, Öfen, Gemüsebars etc. aufgebaut. Und wir haben nicht einmal einen Stuhl dabei… Das ganze Festival ist ein einziges Erlebnis, schon ohne die Kamele…

Da es anfängt zu regnen und auch in den nächsten Tag nicht aufhören soll beschließen wir, etwas Strecke zu machen und den weiten Weg nach Pamukkale zu fahren. Hier befinden sich die weltberühmten Kalkterrassen, welche wir natürlich sehen wollen.  Nach vielen Stunden Fahrt durch Regen und Verkehrsgewühl kommen wir in Pamukkale an und entdecken einen Berg. Wir malen uns aus, wie schön dort wohl die Aussicht aus unserem rollenden Haus auf die Kalkterrassen wäre und beschließen dort noch „schnell“ über einen kleinen Feldweg hochzufahren. Es wird steiler und Christian meint noch, dass er ziemlich gasgeben müsse. Doch hoffentlich kein technisches Problem? Wir werden langsamer und wir beschließen, dass es sicherlich dumm wäre, weiterzufahren. In dem Moment haben wir jedoch einen Teil des Weges erreicht, welcher nicht nur steil nach oben geht, sondern auch noch seitlich abfällt. Beim Versuch rückwärts wieder runterzufahren, fängt der LKW an zu rutschen und neigt sich bedrohlich zur Seite in Richtung Tal. Wir kommen zum Stehen und Sarah muss aussteigen. Sie schafft keine zwei Schritte und steckt im Schlamm. Wir zwei Idioten waren zu übermüdet, um zu registrieren, dass der Boden vom tagelangen Dauerregen durchnässt und alles eine einzige Lehmschlammpampe ist. Nun hängen wir hier, kommen nicht vor noch zurück und sind nah an der Kippgrenze. Jetzt heißt es Ruhe bewahren! Wir checken die Möglichkeiten… und finden erstmal keine. Irgendwann überlegen wir uns, dass wenn wir in Falllinie den Hang hinunter fahren würden, wir schonmal nicht kippen könnten. Zusätzlich schaut das durchweichte Gras des Hangs etwas fester aus, als der Schlamm des Weges. Also räumen wir von Hand sämtliche (Stein-)Hindernisse aus dem Weg und versuchen den Steyr in die Falllinie zu manövrieren. Da fahren ja nicht geht, drehen wir uns (gewollt) rutschend mit vier durchdrehenden Rädern in Startposition und fahren anschließend den Hang hinunter. Dafür, dass es sich so spektakulär angefühlt hat, sind wir erstaunlich schnell und komplikationslos den Hang hinuntergekommen. Unten angekommen fahren wir keinen Meter mehr, sondern gehen schlafen. In der Nacht hat es -10°C, was dazu führt, dass der Schlamm von gestern knüppelhart gefroren ist. Und wir trauen unseren Augen kaum: Dort wo wir gestern kläglich versagten, fährt heute ein türkischer Minibus ohne jedes Problem hinauf. Lessons learned: Nächstes mal warten wir bei Kälte einfach die Nacht ab… Apropos: Pamukkale war auch ganz schön 😉

Auf der Weiterreise vollzieht sich ein Wandel. Wir sind immer noch am Mittelmeer, jedoch im lykischen Teil (Südosten) der Türkei. Es ist unglaublich, wie hoch die Berge sind und dann direkt ins Meer abfallen. Es gibt kaum zugängliche Buchten und wenn, sind sie sehr klein. Die ganze Landschaft ist sehr unwirklich, aber wunderschön. Es gibt hier einen Weiterwanderweg, den lykischen Weg, welcher auf 400km an der Küste nach Antalya führt. Wir nehmen uns vor, diesen später einmal mit dem Zelt zu gehen. Eine wunderschön gelegene Stadt, auch für Urlaube, ist Fethiye.

Wir fahren weiter bis Cirali, denn dort erwarten wir das Naturwunder der brennenden Felsen. Schon die Fahrt in den Ort gestaltet sich abenteuerlich, denn wir fahren eine klitzekleine Straße mit starkem Gefälle und endlosen Serpentinen durch die hohen Berge ans Meer hinab. Es fühlt sich an, wie im Paradies, denn die hohen Berge sehen aus wie in den Alpen, es fließen klare Bäche und in dem Canyon, durch den wir fahren, wachsen Bananenpflanzen. Alles ist wie im Dschungel. Übrigens auch das Dorf Cirali, welches uns mit seinen bezaubernden, individuellen Pensionen begrüßt und hier angeblich einmal illegal gebaut wurde. Wir stehen wieder am Meer und wandern am Abend zu den brennenden Felsen. Diese liegen in den Bergen und es strömt kontinuierlich ein Gas aus der Erde, welches sich an der Luft entzündet. Ein einmaliges Erlebnis! Und wer mal da sein sollte: Es ist ca. 1h von Antalya entfernt…

Antalya ist dann unsere nächste Destination. Wir haben keine Vorstellung davon, wie groß diese Stadt ist. Das hatten wir auch in Izmir und anderen Städten nicht, mittlerweile glauben wir aber, dass es nur Millionenstädte in der Türkei gibt. Überhaupt ist in der Türkei alles riesengroß. Es ging schon mit dem Grenzübergang los, welcher optisch an den Münchner Flughafen erinnert und lediglich einen Nebengrenzübergang war. Auch die Straßen in der Türkei sind min. 4-spurig und immer gut zu fahren. Denkmäler, Städte, Autos, … alles ist größer als gewohnt. In Antalya parken wir wieder direkt am Strand, an der Szene-Uferpromenade mit seinen vielen schicken Cafes, Restaurants und Läden. Aus einer geplanten Nacht werden mehrere Tage. Wir entdecken die Stadt per Leihfahrrad, zu Fuß und auch wieder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Es gefällt uns ausgesprochen gut.

Doch hinter Antalya beginnt der Küstenabschnitt mit großen Hotelburgen und mittelprächtiger Landschaft. Es ist für uns wie ein Kulturschock: Die Menschen sind unfreundlich und z.T. aufdringlich, die Preise astronomisch bis unverschämt und ab und zu schämt man sich auch mal für seine Landsmänner (und -frauen). Hinter Alanya wird das Ganze wieder auf einen Schlag entspannt. Wir bewegen uns konstant in Richtung syrische Grenze. Auf dem Weg liegt die, na klar, Millionenmetropole Adana. Auf den ersten Blick wirkt die Stadt erst einmal nicht so vielversprechend. Es ist staubig, warm und es reiht sich Betonklotz an Betonklotz. Doch weit gefehlt: Nur kurze Zeit später überrascht uns die zweitgrößte Moschee der Türkei mit einem wundervollen, riesigen Park, toll gestalteten Freizeitmöglichkeiten und einem modernen Zentrum. Adana gefällt uns erst auf den zweiten Blick, dann aber so richtig.

Ein Hauptziel unserer Türkeireise haben wir uns bis jetzt aufgespart: Kapadokien, gelegen im (kalten) Zentralanatolien. Doch nun ist es so weit. Nach entspannter Autobahnanreise (das Mautsystem ist übrigens vorbildlich simpel: Man kauft sich in der Post/an der Tankstelle einen elektronischen Aufkleber, lädt diesen auf und klebt ihn an die Windschutzscheibe) beginnt auch gleich die Offroadaction.

Zwischendurch treffen wir zwei ältere Franzosen in ihrem Pickup auf Weltreise. Durch nasses schlammiges Gelände (diesmal haben wir im Unterschied zu Pamukkale vorher geprüft) erreichen wir unseren Wohnort für die nächsten Tage: unglaublich gelegen über der unwirklichen Landschaft Kapadokiens. Hier haben wir in den nächsten Tagen jeden Morgen (ab ca. 5 Uhr…) das Vergnügen, den hunderten Heißluftballons beim Starten und Fliegen zuschauen zu können. Tagsüber unternehmen wir Wanderungen durch die einzigartige Natur, schauen uns (frei zugängliche) in den Felsen gehauene Bauten an (UNESCO-Weltkulturerbe) und besuchen natürlich auch den zentralen Ort Kapadokiens, um den kulinarischen Genüssen der Gegend zu fröhnen. Hatten wir 600km südlich am Meer noch um die 20 Grad, so sinkt das Thermometer hier nachts auf -10°C ab. Beim Ballonwatching frieren wir uns den A… ab.

Aber die Kälte hat auch ihr Gutes: unsere Recherche ergab, dass sich in 30km Entfernung am knapp 4000m hohen Erciyes Dagi das größte Skigebiet der Türkei befindet. Unser nächstes Ziel. Wir sind gespannt, wie ein Skigebiet in der Türkei wohl aussieht und werden überrascht: Moderne Doppelmayr-Lifte wie in den Alpen, tolle und recht leere Pisten und eine sehr moderne Infra-und Shopstruktur. Das Equipment, welches wir leihen, ist nagelneu und von nordeuropäischen Herstellern, überall hängen Flatscreens. Und das Beste ist der Mix aus Moderne und religiösen Elementen, wie der Skigebietsmoschee.

Durch geänderte Rahmenbedingungen hadern wir schon die ganze Zeit damit, ob wir weiter gen Osten reisen oder den Grobplan ändern. Hier in Zentralanatolien treffen wir die Entscheidung: Wir passen unsere Pläne an und fahren temporär nach Deutschland. Das Ziel der Weiterreise vor Augen, werden wir hier erstmal den Sommer verbringen. Also Goodbye Turkey!

Insgesamt gäbe es noch so viel über die Türkei zu erzählen. Vor allem die Menschen waren unfassbar freundlich, aber unaufdringlich und haben uns mit Geschenken überhäuft. Nie durften wir ihnen etwas schenken, nie wurden wir in einen Laden gezogen. Standen wir einsam am Strand, brachte uns öfter jemand etwas Frisches zum Essen vorbei. An der Tankstelle bekamen wir frischen Tee, um die Wartezeit zu überbrücken. Alles geschenkt und ohne je eine Gegenleistung zu erwarten oder gar anzunehmen. Und nie hatten wir auf Märkten das Gefühl, einen Ausländerpreis zahlen zu müssen.

Und es gäbe noch so viele Highlights, die wir besucht haben. Angefangen von der Meeresschildkröten-Rettungsstation über die Mittelmeerstrände bei Syrien auf denen die Bergnomaden Anatoliens überwintern bis hin zur längsten Hängebrücke der Welt (Canakkale 1915). Wir müssen auf jeden Fall nochmal hierher kommen, denn auf der Karte betrachtet haben wir lediglich 50% dieses großen Landes bereist. Also bis bald!

Ein Gedanke zu “2022 – Weltreise Teil 20 – Türkei

  1. Hallo ihr Beiden,
    schön, wieder mal ein Bericht von euch. Hört sich wirklich gut an, eure Zeit in der Türkei. Weiß nicht, ob ich es schon erzählt hatte (bin ja schon alt ;-)), wir hatten leider Pech mit unserem Womo, waren „Teilnehmer“ am Jahrhundert-Unwetter am 22.06.21 in Mondsee. Durch Hagel grandios onduliertes Wohnmobil, über 42000,- Schaden. Mittlerweile ist es aber repariert (neue Außenwand, neues Dach) und nun kann es wieder weiter gehen, wenn natürlich auch in eher nahen Gefilden. Wüsche euch weiterhin alles Gute auf euren Reisen, der nächste Bericht wird dann ja wohl etwas dauern, wenn ihr den Sommer über daheim seid.
    Bleibt neugierig, liebe Grüße
    Hans

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